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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
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III. DIE GNADENBILDER BYZANTINISCHER TRADITION

Bei den während der Barockzeit in Wien und Niederösterreich ver-ehrten Gnadenbildern überwiegen jene Bilder, die ikonographisch letztenEndes auf byzantinische Marienbildtypen zurückgehen. Dabei kann es sichsowohl um ostchristliche Originale oder deren Kopien, als auch um Kopienwestchristlicher Mariengnadenbilder handeln, die selbst wieder byzantinischeVorbilder gering modifiziert wiedergeben 266).

Die als Gnadenbilder verehrten ostchristlichen Originale sind MariaCandia( 1)( Abb. 1) und Maria Pötsch( 3)( Abb. 2), beides ikonographischhalbfigurige Hodegetriendarstellungen, die typologisch eng mit der alsLukasbild 267) geltenden Ikone von Smolensk in Zusammenhang stehen. Siesind als Zeugnisse einer bis in die Grenzgebiete des ostkirchlichen Bereichsreichenden Wertschätzung der als Helfer in Feindesgefahr besonders im17. Jahrhundert verehrten Smolenskaja anzusehen. Bei der Übernahme vonMaria Candia und Maria Pötsch in die westkirchliche Verehrung hat wohldie gleiche Funktion, nämlich die Abwehr von Feinden, mit eine Rollegespielt. Außerdem stammen beide Bilder aus ostchristlichen Grenzgebieten( Kreta bzw. Podkarpatien), deren Verbindung mit dem Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendland politischgesehen seit dem Mittelalter und auch weiterhin bestand 268). Kirchenpolitischhaben im Falle Podkarpatiens die griechisch- orthodoxen Christen 1690 einPrivileg erhalten, das zur Gründung einer autokephalen schismatischenKirche unter habsburgischer Schutzherrschaft führte. Die inneren kirch-lichen Verhältnisse gerade in diesem Gebiet ermöglichten aber auch einekultische Verbindung; Übertritte von Katholiken zur orthodoxen Kirchewaren dort häufig 269). Aus Gründen der sich durchsetzenden Duldung durchdie römisch- katholische Staatsgewalt und eines fluktuierenden Verhältnisseszwischen den Gläubigen erscheint es möglich, daß auch Gnadenbilder ineiner ganz bestimmten Funktion( als Hilfe gegen Feindesgefahr) ikono-graphisch und kultisch übernommen wurden. Daß eine solche Übernahmein diesen beiden Fällen nicht einzig dasteht, beweist die Muttergottes vonSS. Rocco e Margherita in Venedig, die ebenfalls typologisch der Smolenskajanahesteht 270) und 1641 durch eine gedruckte Bildlegende geehrt wurde. Sie

266) Dazu und zum Folgenden vgl. H. Aurenhammer, Marienikone und Marien-andachtsbild( Jahrbuch der Österreichischen Byzantinischen Gesellschaft, IV, 1955).267) E. v. Dobschütz, Christusbilder, Untersuchungen zur christlichen Legende,Leipzig 1899, 267 ff.; D. Klein, St. Lukas als Maler der Maria, Berlin 1933: C. M.Henze, C. SS. R., Lukas der Muttergottesmaler, Löwen 1948( vgl. dazu die Diskus-sion in: Rivista di Archeologia Cristiana 1949, 211).

268) Kreta ist seit etwa 1204 genuesisch, später venezianisch bis 1645, Kandia biszum 27. 9. 1669. Podkarpatien ist polnisch bzw. ungarisch bis 1526, ab 1699 öster-reichisch.

269) Vgl. A. M. Amman, S. J., Abriß der ostslawischen Kirchengeschichte, Wien1950, 356, und R. F. Kaindl, Geschichte der Deutschen in den Karpathenländern, II,Gotha 1907, 362 ff.

270) N. P. Lichatscheff, Istoritscheskoje snatschenije italo- gretscheskoj ikonopisiisopraschenjia bogomateri, Petrograd 1911, 120. Das Gnadenbild stammt aus Morea,von wo es ebenfalls als Türkenflüchtling( wie Maria Candia) 1641 nach Venediggelangte. Vgl. G. Gumppenberg, Atlas Marianus, München 1657, 495.

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