in den bedeutendsten Gnadenbildern des 17. Jahrhunderts den Typus derHodegetria vertreten, durch die Zeugnisse der allgemeinen Verehrung desMariahilfbildes abgelöst werden. Dies entspricht einem Wandel vom hiera-tischen Madonnenideal der Gegenreformation zur„ zärtlichen Muttergottes"des 18. Jahrhunderts, vom römischen Lukasbild und der ostkirchlichen Ikonezum oberdeutschen Marienbild des 16. Jahrhunderts, dessen Verehrung offen-bar ohne die Zäsur der Reformation in Niederösterreich innerhalb desbodenständigen Adels tradiert wurde, wie sich an anderen MarienbildernLucas Cranachs nachweisen läßt. Frömmigkeitsgeschichtlich bedeutet diesdie Aufnahme eines gemütsbetonten, primär mystischen Zuges, was demallgemeinen Wandel der Frömmigkeit seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhun-derts entspricht 334)( vgl. Abb. 22). Wesentlich ist aber, daß auch das Maria-hilfbild in gewissem Sinn der Tradition der byzantinischen Ikone angehört.Dies ergibt die Frage nach den formalen Entsprechungen der kultischenWirksamkeit, die offenbar mit einer Tradition verbunden erscheint undnach der Stellung, die diese Gnadenbilder und ihre Kopien zum übergeord-neten Kunstwerk eingenommen haben.
Formale Qualitäten der Mariengnadenbilder
Es soll hier, da die Arbeit hauptsächlich gegenständliche Fragen unter-sucht, kurz auf einige Formqualitäten eingegangen werden, die wegenihres Auftretens an den meisten hier behandelten Gnadenbildern als einegewisse Entsprechung zu der ihnen zugeordneten religiösen Haltung ge-dacht werden können. Dabei sind einige Momente zu beachten: Das formaleVerhältnis des verehrten Vorbildes zur Kopie ist hier von sekundärer Be-deutung, weil in beiden Fällen Bildern des gleichen Typus Verehrung ge-zollt wurde, wenn auch dieses Verhältnis und die dabei auftretenden Modi-fikationen des Vorbildes einen Schluß auf die Stellung dieser Gnadenbild-kopien in der künstlerischen Produktion der Zeit und ihre Qualität zuläßt.Wesentlicher erscheinen die Veränderungen der Kopie gegenüber dem Vor-bild dann, wenn dieses primär kein Gnadenbild war und eventuell eineranderen Religiosität entsprochen haben mag. In diesem Fall erfolgen dieModifikationen parallel zum religiösen Funktionswandel und sind, da sieder Entstehung eines Gnadenbildes vorangehen, von besonderer Wichtig-keit, wenn sie auch künstlerisch demselben Komplex entspringen wie die
334) Diese Verbindung mit der mystisch nachvollziehenden Betrachtungsfröm-migkeit( allerdings in didaktischer Funktion) zeigt deutlich ein Votivbild vom Endedes 18. Jahrhunderts( Förthofkapelle bei Stein, Öl auf Leinwand, 20 × 30 cm)( Abb. 40), das aus der weiteren Kremser- Schmidt- Nachfolge stammt und an KremserSchmidts Vorzeichnung von 1788 für den Stich P. Koloman Felners anschließt, diein bezeichnender Weise mit den Versen aus Klopstocks Messias, V. Gesang, unter-schrieben ist. Felners Stich trägt die Legende ,, Er hat wahrlich unsere Schwachheitenauf sich geladen( Je 53.4)", was der mystisch- didaktischen Betrachtungsfrömmigkeitnoch mehr entspricht( zum Stich: K. v. Garzarolli- Thurnlackh, Das graphische WerkMartin Johann Schmidts, Zürich- Wien- Leipzig 1925, 132, Abb. 87). Auf dem Bildder Förthofkapelle ist Christus auf dem Ölberg mit Engel und Kelch nach Lukas22, 42 gegeben; in diesem Gleichnis hat der Votant offenbar im Sinn der mystischenBetrachtungsfrömmigkeit seine Nöte betrachtet. Darüber aber sind die Gnaden-bilder von Mariazell, Maria Taferl und Sonntagsberg von Engeln adoriert dar-gestellt. Es sind in diesem Bild also die beiden Grundelemente der Frömmigkeit,die um Gnaden flehende und die mystisch- didaktische der nachvollziehenden Be-trachtung vereint.
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