einen erneuten Anstoß, der sich in der Verehrung der Katakombenheiligenkult- und in der Entstehung eines bestimmten Typus des Reliquienaltarsauch kunsthistorisch auswirkt.
Legendenmotive
Zu diesen dinglichen Grundlagen treten seit dem späten MittelalterLegendenmotive hinzu 229). Sie lassen sich auf eine Reihe bestimmter Typenzurückführen 230), die nicht rein, sondern in Verbindung auftreten 231) undden numinosen Charakter des Kultgegenstandes darlegen, bzw. die Ver-bindung des„ Urkultgegenstandes"( Frieß) mit dem christlichen Kultgegen-stand herstellen. Es kann hier nicht der Ort sein, eine Typologie der seitder Gegenreformation im religiösen Bewußtsein überhaupt vorhandenenLegenden aufzustellen( es würden hierher auch die Ursprungslegenden dermittelalterlichen und weiterlebenden Wallfahrten gehören, sowie derenmannigfache Überschichtung), sondern es soll ebenfalls ohne jeden An-spruch auf Vollständigkeit versucht werden darzustellen, welches legen-däre Gut bei den Neugründungen ausschlaggebend war und welche typischenLegendenmotive die religiöse Vorstellung prägte.
Die historische Reihe der für die Gründungen des 17. und 18. Jahr-hunderts geprägten Legenden ergibt folgendes Bild: Die auch bei den Grün-dungen der mittelalterlichen Wallfahrten häufigen Typen mit den Motivender Rast, des Heranschwimmens, der weisenden Tiere 232) finden sich wohl,reichen aber zeitlich nur bis in das 2. Viertel des 18. Jahrhunderts und sindrein zahlenmäßig gegenüber spezifischen Neu- und Umprägungen der Pest-und Türkenzeit von geringer Bedeutung. Das Motiv der Rast findet sichhäufig auf die sogenannten„ Schalensteine" bezogen verbunden mitMaria in Kirchberg am Walde 233), mit dem Hl. Koloman z. B. in Eis-garn, wo die Legende einen seit„ urdenklicher Zeit" verehrten Steinin die christliche Verehrung einzubeziehen half 234). Die Schwemmlegende,die im Mittelalter so fruchtbar war( z. B. St. Jakob im Jakoberkloster aufder Hülben 1113, das Wimpassingerkreuz bei den Minoriten) ist 1709 nochder erste Anlaß, einem durch die Wien angeschwemmten Marienbild kul-tische Bedeutung zuzumessen, das Gegenstand der Wallfahrt nach Purkers-dorf bei Wien wurde 235). Ebenso seiner ersten christlichen Prägung nachmittelalterlich 236) und seit dem hohen Mittelalter durch Hostienwunder-legenden oft mit diesen verbunden 237) ist das Legendenmotiv der weisenden
229) E. Frieß, Geschichts- und volkskundliche Betrachtungen über das Wall-fahrtswesen( Unsere Heimat N. F. IX, 1936, 6).
230) Vgl. H. Günther, Legendenstudien, 1906, und derselbe, Die christlicheLegende des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes, 1910, sowie Psychologie der Legende, 1949; R. Kriss, Diereligiöse Volkskunde Altbayerns, Brünn- München- Wien 1933, 48 ff., 54 ff., und E.Frieß, Zur Systematik der religiösen Volkskunde( Unsere Heimat, N. F. X, 1937, 90 f.).231) Frieß, a. a. O., Unsere Heimat 1936, 6.
232) Frieß, a. a. O., Unsere Heimat 1937, 91( als Wandermotive zusammengefaßt).233) G. Gugitz, Niederösterreichische Schalensteine im Volksglauben( Österr.Zeitschrift für Volkskunde, N. F. 4, Heft 3-4, 106). Hier noch weitere Marienrast-legenden, die mit Steinen verbunden sind.
234) G. Deppisch, Geschichte und Wunderwerke des Hl. Kolomani.... desNiederösterreichs Schutzpatron etc., Melk 1743.
235) Maurer- Kolb, 173 f.
286) Nach R. Kriss, Religiöse Volkskunde Altbayerns, Brünn- München- Wien1933, 90 ins 6. Jahrhundert zurückreichend.
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237) Frieß, a. a. O., Unsere Heimat 1937, 92.