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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
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EINLEITUNG

Die vorliegende Arbeit versucht, am Material der in Wien und Nieder-österreich während der Barockzeit( von der Gegenreformation bis zur Auf-klärung) verehrten Mariengnadenbilder ¹) und ihren Kopien 2) sowohl ihrenikonographischen und typologischen Wandel, als auch den Wandel der damitverbundenen Frömmigkeit zu untersuchen. Dadurch ergibt sich nicht nureine kunsthistorisch, vor allem ikonographisch, und volkskundlich inter-essante Reihe, sondern auchwenn man die enge Verbindung zwischen

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Bild und Frömmigkeit, die gerade dem Gnadenbild eignet, beachtetMöglichkeit, die strukturelle Zusammensetzung der religiösen Bildvorstel-lungen dieser Zeit zu erkennen. Grundlage der Untersuchung ist neben derIkonographie der Gnadenbilder und ihrem Typus 3) vor allem die Funktiondes Gnadenbildes als Andachtsbild, die es erlaubt, eine Fülle von religiösenund, wie man sehen wird, auch außerreligiösen Bezügen einem bestimmtenikonographisch und typologisch faßbaren Gnadenbild zuzuordnen. Die Klä-rung des Begriffes Andachtsbild" muß also jeder Behandlung des Themasvorangehen.

Zum Begriff Andachtsbild

Der in der ikonographischen und kunstgeschichtlichen Literatur ge-bräuchliche Begriff Andachtsbild" 4) wurde zunächst zur Bezeichnunggewisser gegenständlich zusammengehöriger Gruppen von Plastiken,besonders des 14. Jahrhunderts, verwendet, deren enge ikonographische

1) Die Gnadenstatuen werden hier nur soweit berücksichtigt, als sie für dieallgemeine Entwicklung und die Darstellung der Verehrung der Mariengnaden-bilder in Wien und Niederösterreich während der Barockzeit von Wichtigkeit sind.Eine Behandlung in Form eines ikonographischen Kataloges, wie er für die Gemäldezweckdienlich erscheint, ist deswegen nicht brauchbar, weil die Anzahl" anonymer",d. h. dem kultischen Vorbild nach nicht faßbarer Gnadenbilder bei den plastischenBildwerken besonders groß ist, sie ikonographisch meist sehr ähnlich sind und dieVariabilität ihrer Typen wesentlich geringer ist( vor allem auch wegen der durchihre Bekleidung und Bekrönung angestrebten Uniformität). Der Niederschlagder Gnadenstatuen in gemalten Kopien wurde anhangsweise behandelt.

2) Die am archäologischen Material gewonnene Terminologie G. Lippolds( Kopien und Umbildungen griechischer Statuen, München 1923) konnte auch beiSetzung des mehr kultisch bestimmten Begriffes des Vorbildes nicht übernommenwerden, da der Grad der Ähnlichkeit als Grundlage der Unterscheidung des Ver-hältnisses zum Urbild im ikonographischen Bereich einer anderen, weiteren Wer-tung als im künstlerischen Bereich unterliegt. Im Lippoldschen Sinn sind alle hierals Kopien angesprochenen Bilder keine Kopien, sondern Nach- und Umbildun-gen, während sie in Bezug auf die Verbindung der kultischen Funktion mit denikonographischen Merkmalen durchaus als Kopien anzusehen sind. Zu diesenDevotionskopien vgl. W. H. Forsyth, Mediaeval Statues of the Virgin in Lorrainerelated in type to the Saint Dié Virgin( Metropolitan Museum Studies, vol. 5,1934-36, 235 ff); E. Panofsky, Early Netherlandish Painting, I, Cambridge( Mass.)1953, 297, Anm. 4; O. Demus, Der Meister der Michaeler Plastiken( Österr. Zeit-schrift für Kunst und Denkmalpflege 1954).

3) Damit ist gemeint, in welchem historischen Abhängigkeitsverhältnis dasBild zu einem älteren verehrten Vorbild steht.

4) Zuletzt und zusammenfassend D. Klein, Artikel: Andachtsbild(= Real-lexikon zur deutschen Kunstgeschichte I/ 1, Sp. 681 ff.). Die dort angeführte Literaturwäre u. a. durch R. Wiebel, Das Andachtsbild( Kirchenkunst 1931, 8 ff.), zu ergänzen.

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