IV. MITTELALTERLICHE BILDTYPEN ALS GNADENBILDER
Eine viel geringere Zahl als die Gnadenbilder byzantinischer Traditionnehmen unter den in der Barockzeit verehrten Gnadenbildern jene Bilderein, deren Bildtypen als mittelalterlich zu bezeichnen sind. Darunter werdensowohl Originale des abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Mittelalters und deren Kopien alsauch nachmittelalterliche Marienbilder verstanden, die mittelalterliche Bild-typen tradieren. Mittelalterliche Originale sind die„ Maria in der Sonne"am Frauenaltar von St. Stephan in Wien( 159)( Abb. 25), die dem seit demhohen Mittelalter vielleicht verbreitetsten Typus der Darstellung der Mutter-gottes mit dem Kind angehört und als Gnadenbild Vorläufer des Staats- undStadtheiligtums Maria Pötsch war. Die beiden weiteren Originale,„ Mariaim Ährenkleid" in Imbach( 161) 284) und das Rosenkranzbild von Maria Laach( 158)( Abb. 24) sind Zeugnisse für die spätmittelalterliche Marienverehrungunter einer bestimmten Patronanz. Das letztere ist ikonographisch und wohlauch funktionell als Bruderschaftsbild einer Rosenkranzbruderschaft anzu-sprechen. In der Tradition des spätmittelalterlichen oberdeutschen Marien-andachtsbildes steht das Original der Grainbrunner Muttergottes( 165). Diewohl bedeutendste ikonographische Leistung am Ende des Mittelalters wardie Findung des Mariaschmerzensbildes in seinen mannigfachen Ausformun-gen, die vor allem durch die um 1500 blühende flämische Bruderschaft derSieben Schmerzen Mariens verbreitet wurde. Ein originales Zeugnis für einesolche Siebenschmerzensbruderschaft vom Ende des Mittelalters ist dasGnadenbild von Maria Raffing, heute in Windigsteig( 166)( Abb. 27). Ausder Tradition der niederländischen Übernahme der an sich italienischenBeweinungspietà stammt ein weiteres Original, die„ Schmerzhafte" vonWiener- Neustadt( 175)( Abb. 26).
Die Kopie des mittelalterlichen Ordensheiligtums der Serviten in SS.Annunziata in Florenz hat gering verändert in der Ordensnieder-lassung der Serviten in Wien während der Barockzeit Verehrung genos-sen( 178).
In Bezug auf die mittelalterliche ikonographische Tradition ist ab-gesehen von den Bildern der Mater gravida, die in der Nachfolge desGnadenbildes von Karlshof( Abb. 29) stehen( 162, 163) und dem nur in einemTypus vertretenen Beispiel der sitzenden Muttergottes mit neben ihr stehen-dem Kind in Tulbing( 164)( Abb. 28) vor allem das Bild der schmerzhaftenMuttergottes anzuführen, das unter den Gnadenbildern seiner Verbreitungund Nachwirkung nach dominiert. Neben der Tradition des an sich plasti-schen mittelalterlichen Andachtsbildes der Pietà selbst( 174) und derenVariationen als Beweinungs- bzw. Grablegungspietà( 175-177)( Abb. 26), istauch die Nachfolge des flämischen Bruderschaftsbildes der schmerzhaftenMuttergottes( 166-170)( Abb. 27, 32) maßgebend. Die bedeutendste Aus-
284) Als weiteres Zeichen der Kenntnis des Mailänder Gnadenbildes in Nieder-österreich sei eine ebenfalls spätmittelalterliche Statue Maria im Ährenkleid an-geführt, die sich heute im Stadtmuseum von Laa an der Thaya befindet.
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