Schöpfungen handelt, eine eigenartige Zwischenstellung, in der das über-lieferte Kompositionsschema und der Vorwurf und z. T. auch weitere Form-qualitäten übernommen, jedoch verändert werden. Dabei sind gewisse Ver-änderungen, z. B. die Vermeidung einer plastischen raumhaltigen Darstel-lung, in ihrer tatsächlichen Wurzel nicht zu klären, da das Material nichtlückenlos ist. Die Gnadenbildkopien sind also der Kunstübung der nochnicht erfaßten Schicht der kunsthistorisch anonymen Maler 341) zuzuzählen.Die Anwendung gewisser den Gegenstand radikal verdeutlichender Form-qualitäten an Vorbildern, die aus religiösen Gründen übernommen werden,läßt ihren Zusammenhang mit der die Funktion betonenden Volkskunst 342)annehmen, ohne daß sie dieser als unmittelbare Schöpfungen zuzuzählenwären. Diese Tatsache entspricht der kultischen Stellung dieser Gnadenbild-kopien, die ebenfalls im 17. und 18. Jahrhundert zum größten Teil zu einervorhandenen dinglichen Grundlage hinzugegeben und( dies gilt besondersfür das 17. Jahrhundert) erst in diesem Zusammenhang als Gnadenbilder ver-ehrt wurden.
Die Entsprechung der formalen Eigenschaften zur Funktion als Gnaden-bilder ergibt sich bei der Komposition und dem Format aus dem unmittel-baren Verhältnis zur byzantinischen Ikone. Bei den in Bezug auf die Auf-fassung der Darstellung( etwa expressive Verhäßlichung) besprochenenMomenten handelt es sich um Modifikationen von Vorbildern, die erst indieser Gestalt Gnadenbilder wurden. Das läßt vermuten, daß sie dadurchdem Verehrenden bedeutender geworden sind.
Die Stellung des Andachtsbildes zum übergeordneten Kunstwerk und dasProblem des Endes des barocken Gesamtkunstwerkes
Der folgende Abschnitt bezieht sich auf den gegenständlichen und funk-tionellen Ort der Gnadenbilder und ihrer Kopien im Kirchenraum und imAufbau des nachmittelalterlichen Retabelaltares. Das Phänomen ist bei derBearbeitung der Verbreitung des Mariahilfbildes zum erstenmal bedeutendin Erscheinung getreten, wenn es auch in weitaus geringerem Umfangprinzipiell für jedes mobile, primär in keinem formal- künstlerischen undgegenständlichen Zusammenhang stehende Andachtsbild gültig ist.
Abzusehen ist hier vorerst von den Wallfahrtskirchen, die zu einemGnadenbild gebaut wurden, das daher den bevorzugten Platz am Hochaltareinnimmt. Sie scheiden bei dieser Betrachtung aus, da hier das Gesamtkunst-werk dem Gnadenbild untergeordnet ist, wenn auch in ihnen eine Tendenzder Summierung von Andachtsmittelpunkten besonders seit der Mitte des
341) Sie sind jedoch nicht den Laienmalern zuzuzählen, deren Hauptmerkmal,die dilettierende Hingabe an das künstlerische Problem, ohne daß das Produktfunktionell verankert wäre, Michailow herausgestellt hat( N. Michailow, Zur Be-griffsbestimmung der Laienmalerei. Zeitschrift für Kunstgeschichte 1935, 293). Dieden oben erwähnten Formqualitäten parallelen Erscheinungen ergeben sich ausihrem auch von Michailow angeführten„ Freiwerden" durch den Zerfall der funk-tionellen Bindungen, die die Volkskunst bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts besaf( Michailow, a. a. O., 296 f.). Es handelt sich hier also um Künstler, die ein gegebenesVorbild, das selbst weitgehende Entsprechungen zu primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Formqualitätenbesitzt, kopieren und gering im Sinne der primitiveren Glossar ::: zum Glossareintrag primitiveren Verdeutlichung modifizieren.Auf das Problem der Lokalisierung dieser Formkraft einzugehen, ist hier unmöglich,da in keinem Fall der Kopist in seiner ,, Provinzialität" festgelegt werden kann.342) Michailow, a. a. O., 283.
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