„ Was gond mi d'Gäscht a?!"
271
det, daß die Bregenzerwälder Tracht„, in ihrem Erscheinungsbilde wohl derwesensgemäßeste Ausdruck des Landes Vorarlberg" ist 47, und der BezauerBürgermeister läßt im Gemeindeblatt einen Appell an die Mädchen undFrauen veröffentlichen, sie mögen doch an Festtagen die BregenzerwälderTracht tragen,„ weniger der Folklore wegen, als vielmehr deswegen, weildie Juppe ein bedeutsames Stück Wälder Kultur verkörpert." 48
Die hier Angesprochenen mögen wohl einen mehr spielerischen Umgangmit der Tracht haben, und ich glaube auch, daß gerade ältere Frauen dieTracht zu wichtigen kirchlichen Anlässen mit der gleichen Selbstverständ-lichkeit tragen wie Männer ihren Anzug zu wichtigen weltlichen Anlässen.Der regionale Charakter und das allerorts beobachtbare Erfordernis, dasTragen der Tracht zu unterstreichen und zu fördern, geben ihr aber einePublizität und Bedeutung, die weit jenseits des Selbstverständlichen liegt.
4. DAS BREGENZERWÄLDER BAUERNHAUS
Dem Vernehmen nach haben sich zahlreiche Vorarlberger, nicht nur Bre-genzerwälder, nach dem Erscheinen des neuen Einhundert- Schilling- Schei-nes wenigstens ein Exemplar des alten zurückbehalten. Dies deswegen,weil auf der einen Seite die Malerin Angelika Kauffmann abgebildet ist,deren Vater aus Schwarzenberg im Bregenzerwald kommt und auf deranderen Seite ein Bregenzerwälder Bauernhaus.
Tatsächlich hat dieser Haustyp auf die Landschaft insgesamt einen starkprägenden Einfluß. Im vorderen Teil der Talschaft, wo die Siedlungsweiseoffener und das Gelände hügelig ist, sind die einzelnen großen Häuserlocker über die Landschaft verteilt, während im Hinteren Bregenzerwaldbesonders die Ortskerne einzelner Gemeinden durch die in die Straßenhereindrückenden Gebäude bestimmt sind.
Doch war es nicht erst die Einhundert- Schilling- Note, die dem Bre-genzerwälder Haus in den 1970er und 80er Jahren zu österreichweiterBekanntheit verhalf. Schon 1873 bekam es eine etwas sachbezogenere Öf-fentlichkeit. Auf der Weltausstellung in Wien sollten„ Bauernhäuser der
47 Verkehrsverband Bregenzerwald( Hg.): Bregenzerwald. Kultur und Geschichte. Eggo. J., S. 4.
48
Gemeindeblatt für die Landeshauptstadt Bregenz sowie die Gemeinden des BezirkesBregenz, 17.05. 1991, zit. n. Kultur. Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft, Jg. 6,1991, Nr. 6, S. 49.
49 Tschofen( wie Anm. 42), S. 45.