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Tourismus und Regionalkultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1992 in Salzburg
Entstehung
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Reinhard Johler

bewundert einerseits. Andererseits brachte die Vermieter- Situation, ne-ben dem eingenommenen Geld und Momenten schier unglaublicher An-passung, auch Motive von Verachtung zum Vorschein. Aus dem, liebenHausgast" konnte unvermittelt, vor allem aber hinter dessen Rücken, der,, unsympathische Piefke" werden. Eingelagert in diese durch den Touris-mus unterschiedlich verteilten Rollen von Gast und Gastgeber, verbirgtsich, zumindest auf österreichischer Seite, ein kulturelles, ein nationalesMinderwertigkeitsgefühl, ³ das bis in die Gegenwart immer wieder Aktua-lität beansprucht: Man denke beispielhaft an die Piefke- Saga" von FelixMitterer oder an einen Artikel von Peter Turrini im Spiegel" 1986 unterdem Titel Die touristische Bananenrepublik". Das Kurz- Resümee, vonTurrini wortgewaltig und vielleicht auch treffend formuliert, lautet: DieGeschichte des österreichischen Tourismus[...] ist die Geschichte einerHurerei". Derartige Kritikpunkte im Zusammenhang von Fremdenverkehrund heimischer Angepaẞtheit haben durchaus eine lange Tradition. Schon1905 war davon die Rede, daß aus Tirol eine, Bedienten- Nation für Frem-de" und damit ein ,, Volk von Knechten und Kriechern" werden könne.6

Damit ist ein erstes zu behandelndes Thema bereits angesprochen. Esfragt nach Identität bzw. nach durch den Tourismus verstärkten Feindbil-dern entlang nationaler Trennlinien; 8 Stichwort erneut: deutsch- österrei-chischer Kulturkontakt.

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Tourismus ist ein Dauerthema der österreichischen Nachkriegsliteratur, der sog.,, Anti- Heimat- Literatur", vgl. in bezug auf die österreichische Identität: RobertMenasse: Das Land ohne Eigenschaften. Essay zum österreichischen Geist. Wien1992, S. 94ff.

Felix Mitterer: Die Piefke- Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung. Drehbuch.Innsbruck 1991.

In: Der Spiegel, 10. 11. 1986.

6 Watin: Ist unser heimischer Dialekt vogelfrei?( Ein Mahnruf an die echten Tiroler.)In: Der Sammler. Beilage der Neuen Tiroler Stimmen", Nr. 3, 1905, S. 29-31.

7 Vgl. dazu den Bericht von Heide Gottas: Sind Feinde nicht auch Menschen? In: ibfspektrum, Nr. 535, 15. 12. 1987.

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Um nur ein Beispiel dafür zu geben, siehe Diego Leoni: Italiani, visitate il Trentino".Beiträge zu einer Geschichte des politischen Tourismus" von 1872 bis 1915. In:Distel, Nr. 42/43, 1990, S. 66-72.

Vgl. die autobiographischen Schilderungen von Erich Kästner über Mayrhofen: No-tabene 45. Ein Tagebuch. Wien 1961, S. 72: Daß uns der Großteil der Einheimischennicht eben gewogen ist, läßt sich mit Händen greifen, und die Aversion läßt sich ver-stehen. Wer vom Fremdenverkehr lebt, kann die Fremden nicht leiden, damit fängt