Frühe Tourismuskritik
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Dem Wunsch nach der Ursprünglichkeit der Natur entsprach die Suchenach der Idylle, dem unberührten Landleben, wo Menschen vermeintlichisoliert von den Versuchungen der industrialisierten Umwelt lebten. Dörf-liche Kramläden werden als Fundgrube für„ althergebrachte Töpferwa-ren“,„ primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive und originelle Spielsachen“ und die„, tüchtigen Erzeug-nisse heimatlichen Gewerbefleißes" gepriesen, und es wird auf die„ gutenBauernstoffe mit originellen, strengen und zugleich dekorativen Mustern,dauerhaft und billig und von dem Landvolk hier und da noch, wenigstensnoch für das Arbeitsgewand, verwendet“, hingewiesen. 25
Auch eine deutlich erzieherische Aufgabe wird dem Reisenden zugespro-chen, denn indem er seine Bedürfnisse an eine heile Natur artikuliert, seinVerständnis von Gegenwelt zur Großstadt auf das Land trägt, kann er ander Produktion eines vorindustriellen Scheins auf dem Land mitwirken. Inder Diskussion um gute Reiseandenken wird die„ Volkskunst" favorisiert:
,, Sollte nicht in der rechten gesunden Belebung alter Volks- Kunstund Volks- Fertigkeit sich eine Möglichkeit bieten, den Suchendengesunde und künstlerische Andenken geben zu können, die wirk-lich Andenken an eine bekannte Gegend wären" 26.
Tatsächlich ist ja in dieser Zeit die Hausfleißbewegung z. B. in Österreichund Skandinavien entstanden.
Am Beispiel der Dorfmusik wird dem Städter eine Handreichung gege-ben, wie der pädagogische Anspruch umzusetzen ist:
,, Vor allem gilt es auch hier, der Verstädterung entgegenzutre-ten und in den Landleuten den Stolz darauf zu wecken oder zunähren, sie selber, also Dörfler und nicht Städter zu sein. Es sindauch für den Städter, der aufs Land geht, Abwehr, Erhaltung undFörderung die wichtigsten Aufgaben, wenn er den Volksbrüdern,die er dort trifft, ehrlich helfen will" 27.
Aber auch mit Anleitungen zum konkreten Handeln wird nicht gespart:Dem Gastwirt mache man klar, daß ein Grammophon nicht in ein dörf-liches Gasthaus gehöre, daß ein Klavier ein städtisch- bürgerliches Instru-ment sei und im Dorf nur dem Pastor, Lehrer oder Arzt zustehe. Bei Besu-chen der Landbevölkerung zeige man sein Interesse an der alten Musik und
25' Kunstwart 22, 1909, H. 19, S. 7.
26 Kunstwart 25, 1912, H. 19, S. 39.Kunstwart 22, 1909, H. 19, S. 41.
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