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Vergleichende Keramikforschung in Mittel- und Osteuropa : Referate des 14. Internationalen Hafnerei-Symposiums vom 7. - 11. September 1981 im Ethnographischen Museum Schloss Kittsee
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EINBERUFUNGSTAFELN DER HAFNERZÜNFTE

IN UNGARN UND SIEBENBÜRGEN

Von Peter Nagybákay, Budapest

Die Einberufungs- oder Aufgebotstafeln der Zünfte waren kleine,durchschnittlich 14-16 cm grosse, aus Metall oder Holz gefer-tigte, meistens schildförmige Zunftinsignien. Sie dienten zur Zu-sammenrufung der Mitglieder. Die Insignien legitimierte jenePerson, die sie herumtrug. Durch das Vorzeigen der Tafelverdeutlichte der Träger, daß er den Zunftmeister vertritt unddaß seine verbalen Mitteilungen offiziellen Charakter hattenquasi die Kommunikation des Zunftmeisters mit den Mitgliederndarstellend. Diese Art und Weise der Einberufung basiert aufalter mittelalterlicher Praxis. Auch die Könige beriefen bei-spielsweise die gewünschten Personen mittels der sogenanntenEinberufungs- oder Aufgebotspetschaft ein.

Solche Einberufungstafeln der Zünfte waren aber nicht inallen Gebieten Europas üblich. In dem historischen Ungarn undSiebenbürgen, ja sogar in Kroatien hatten alle Zunftorganisa-tionen ihre Einberufungstafeln. In den Privilegienbriefen undZunftordnungen befaßt sich ein spezieller Artikel mit ihnen. InSchlesien, Polen, Nord- und Westdeutschland gab es ebenfallssolche Zunfttafeln. Hier wurden sie" Zunftzeichen" oder häufiger" Botenschild" genannt. Ihre wahre Heimat aber war Flandern,

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