DAS MUSTERBÜCHLEIN DES STRASSBURGER HAFNERMEISTERSCHRISTIAN FRIEDRICH KROMER AUS DEM JAHRE 1803
Von Georges Klein, Straßburg
Nicht alle Hafner oder Kachler haben ein Notizbuch über ihreArbeit, ihre Lieferungen, über die Zusammensetzung ihrer Erde,über Engoben oder Metalloxyde für ihre Glasuren, noch wenigerüber ihre Schmuckmotive und ihre Hafnersprüchlein geführt.Meistens, zumindest bei den ländlichen Hafnern, wurden Dekorund Sprüchlein von den Frauen mit dem Malhorn aufgetragen,während der Hafnermeister oder der erste Geselle die Filetsam Rande der Schüsseln oder der Teller anbrachte. Dazu gehörteeine besondere Geschicklichkeit, mit dem Filetpinsel umzugehen,denn die Filets wurden nicht etwa mit dem Malhorn, sondernausschließlich mit dem langhaarigen Filetpinsel aufgetragen.
Der Straßburger Hafnermeister Christian Friedrich Kromerhatte sich zwei derartige Notizbüchlein angelegt, das einemit Glasurformeln und Farben, das andere mit Schmuckmotivenund Hafnersprüchlein. Beide Büchlein befinden sich heute imVolkskunstmuseum von Straßburg. Sie wurden von dem letztenMitglied der Hafnerfamilie Kromer, Frédéric Adolphe ThéodoreKromer, dem Museum im Jahre 1900 übergeben.
Christian Friedrich Kromer, als Hafnergeselle in Straßburgtätig, legte sich als zweiundzwanzigjähriger Handwerker im Jahre1803 das eine der beiden Büchlein an.
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