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Das Beleuchtungswesen : vom Mittelalter bis zur Mitte de XIX. Jahrhunderts, aus Österreich-Ungarn, insbesondere aus den Alpenländern und den angrenzenden Gebieten der Nachbarstaaten
Entstehung
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die Kerze entsprechend weit herabgebrannt ist. Das Exem- wertvollen Vergleich mit den primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven, aus Eisenblechplar 7 wurde in gleicher Weise angewendet.hergestellten Stücken bietet.

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Die Einrichtung dieser Löschapparate erinnert unwill-kürlich an die sehr einfache Löschmethode mit Daumenund Zeigefinger eine gewiß uralte Methode, zu deren Be-lege die beigeschlossene Abbildung 24, die Reproduktion einesaus dem Anfange des 16. Jahrhundertes stammenden alt-tirolischen, jetzt im Besitze des Chorherrn- Stiftes Neustiftbefindlichen Gemäldes dienen möge. Joachim wird aus demTempel vertrieben; zur Verstärkung des Eindruckes, daßsich die Pforten des Tempels hinter ihm schließen, wirddurch einen Tempeldiener das Licht ausgelöscht, und zwarmit Daumen und Zeigefinger.*)

Zum Schlusse sei noch unter Hinweis auf die neben-stehende Abb. 25 auf ein im Privatbesitze befindliches, ausMessing gegossenes, vergoldetes Löschhorn aufmerksam ge-macht, dessen reiche figurale Ausstattung( Hexentanz) einen

*) Herr Universitätsprofessor Dr. Hans Gottfried Semper in Inns-bruck hatte die Güte, dem Verfasser die Original- Photographie diesesBildes zur Verfügung zu stellen.

Abb. 25.

Gruppe XV. Lichtschirme.

Wie bei der Gruppe III zu ersehen ist, waren Licht-schirme häufig mit dem Leuchter in Verbindung; als selbständiges Gerät erscheinen dieselben seltener.

Letztere Gattung ist in der kleinen Kollektion durchdas Exemplar 1, Tafel 40, vertreten.

Dieses dem 18. Jahrhundert angehörige, aus Eisengeschmiedete Stück besteht aus einem Fuße, aus dessenMittelpunkt eine Säule aufsteigt, auf welcher der Lichtschirmnach auf und abwärts geschoben und mittels einer Federin beliebiger Stellung festgehalten werden kann. Der Licht-schirm selbst hat die Gestalt eines herzförmigen Blattes undwar mit grünem Stoffe überzogen.

Auch das Stück 4, Tafel 40, gehört zu einem derartigen,dem Ende des 18. Jahrhunderts entstammenden Lichtschirme,und zwar ist es nur der Fuß eines solchen, während der

eigentliche Schirm leider nicht erhalten ist, der aber, allerWahrscheinlichkeit nach, aus einem rechteckigen, mit grünemStoffe ausgefüllten Rahmen bestanden hat.

Die übrigen Stücke dieser Gruppe, repräsentiert durchdas Exemplar 2, Tafel 40, sind Lichtschirme, welche an derKerze durch eine federnde Klammer befestigt werden konnten.Mehrere dieser zangenartig gestalteten Klammern sind,wie es auch bei den auf Tafel 40 dargestellten Exemplaren9 und 10 zu sehen ist, mit tauschierten Gold- und Silber-ornamenten verziert.

Das Exemplar 3, Tafel 40, ist ein zur Verwendungauf Reisen eingerichteter Lichtschirm. Die Klammer unddas Gestelle des in der Form eines kreisförmigen Fächersgestalteten Lichtschirmes sind zerlegbar und wurden in demebenfalls auf Tafel 40 dargestellten Lederetui verwahrt.

Gruppe XVI. Wachsstockhälter und Wachsstöcke.

Die Urtype des Wachsstockhälters dürfte in demExemplare 20, Tafel 43, zu suchen sein; in dieser flachen,durch eine Feder zusammengehaltenen Zange wird dasWachskerzchen eingeklemmt und kann auf diese Art, ohnedie Hand durch Abtropfen des Wachses zu verunreinigen,in Verwendung kommen.

Dieser Wachsstockhälter konnte bequem in der Tascheuntergebracht werden.

Für jene Fälle aber, in welchen das Licht beim Herum-gehen im Hause verwendet und zeitweilig aufgestellt werdenmußte, diente der mit einem Fuße ausgestattete Wachsstockhälter, bei dessen Einrichtung auf die Anbringung eines längerenWachsstockes Bedacht genommen ist, und zwar derart, daßein Wachsstock um die vom Fuße aufsteigende Säule um-wunden ist und nach Bedarf in die Schere eingeklemmt wird.Eine Handhabe erleichtert das Tragen des Wachsstock-hälters.

einfache Stücke vorhanden( 6, Tafel 42), wie auch reich aus-gestattete, sehr dekorative Exemplare, I und 16, Tafel 41;2, 25 und 26, Tafel 42; 3 und 17, Tafel 43.

Bei mehreren Stücken ist unter der Zange, welche denWachsstock einzuklemmen hat, eine runde Scheibe ange-bracht, welche das Abtropfen des Wachses auf den Wachs-stock zu verhüten bestimmt ist, wie dies aus den Abbildungen8 und 19, Tafel 41, 21, Tafel 42 und 5, Tafel 43, zu er-sehen ist.

Die Mehrzahl der in dieser Gruppe vereinigten Exem-plare gehört dem 17. Jahrhundert an; die meisten sind ausEisen sehr gut und schön geschmiedet, das Exemplar 17,Tafel 43, auch noch verzinnt, einige Stücke aus Messingoder Bronze gegossen, das vielleicht dem Ende des 18. Jahr-hunderts angehörige Exemplar 26, Tafel 42, ist überdies miteiner gläsernen, schön geschliffenen Traufschale versehen.

Dieser Typus eines Wachsstockhälters ist durch das gemeinsamen Mittelpunkt vier derartige, senkrecht auf-Exemplar 5 auf Tafel 43 repräsentiert.

Die meisten der in dieser Gruppe vereinigten Wachs-stockhälter gehören dieser Type an; es sind sowohl recht

Das Exemplar 9, Tafel 41, bei welchem um eineneinander, in Kreuzform gestellte Wachskerzenhälter vereinigt sind, ist ein ganz besonders hervorragendes und inter-essantes Stück; die Schrauben, welche die Zangen zusammen-

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