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Das Beleuchtungswesen : vom Mittelalter bis zur Mitte de XIX. Jahrhunderts, aus Österreich-Ungarn, insbesondere aus den Alpenländern und den angrenzenden Gebieten der Nachbarstaaten
Entstehung
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treten; das erstere ist aus Eisen geschmiedet, die beidenletzteren sind aus Ton gebrannt.

Derlei Untersätze sind in dieser Gruppe auch in dreiExemplaren vorhanden, und zwar ist das Exemplar 29 aufder Tafel 33, die beiden anderen 30 und 67 in nebenstehen-der Zeichnung( Abb. 22) dargestellt. Auch sei an dieserStelle bemerkt, daß diese Untersätze ebensogut bei Öllampenbenützt werden konnten.

Für jene Fälle, in welchen eine Verstärkung desLichtes in einem Raume erforderlich war, wurden Gestellekonstruiert, auf welchen mehrere Hängeleuchter angebrachtwerden konnten.

In der Sammlung befinden sich drei derartige Gestelle,und zwar das Exemplar 27, Tafel 31, 74, Tafel 32, und 28,Tafel 33, von welchen insbesondere das ersterwähnte hervor.gehoben werden muß, indem das hölzerne, mit interessantenOrnamenten ausgestattete Gestelle auf das 15. Jahrhunderthinweist.

Zu dem gleichen Zwecke dürfte auch der dreiarmige,in der Sammlung vorhandene und in nebenstehenderZeichnung dargestellte Haken 65, Abb. 23, gedient haben.

Zum Schlusse müssen noch die zur Behandlung desDochtes und des in den Schalen aufgehäuften Talges erfor

derlichen Schaufeln, deren schon bei dem Hängeleuchter 12,Tafel 33, Erwähnung geschah, besprochen werden.

Unter den Nummern 75, 76, 77 und 78 auf Tafel 34sind vier derartige Schaufeln abgebildet, von welchen das

Abb. 23.

Exemplar 77 die Annahme gestattet, daß der Talgleuchter,zu welchem es gehörte, ein ganz ungewöhnlich schönesStück gewesen sein muß.

Bei Betrachtung dieser für Beleuchtung mit Talg be-stimmten Geräte drängt sich der Vergleich mit modernenBeleuchtungsstoffen auf. Aus dem vom qualmenden Talg-lichte matt erleuchteten Raume flüchtet man dankerfülltenGemütes zur Petroleumlampe, zum Auerschen Gaslichteund zum elektrischen Glühlichte!

Gruppe XIII. Dochtscheren und zugehörige Tassen.

Bei Wachs und Unschlittkerzen, den bis in die erstenDezennien des 19. Jahrhundertes nächst der Beleuchtungmit Öl gebräuchlichsten Beleuchtungsmitteln mußten währenddes Brennens von Zeit zu Zeit die Dochte gekürzt werden,um eine stets gut leuchtende Flamme zu erzielen. Als Werk-zeug hierzu diente die Dochtschere( auch Lichtputze, Licht-schere genannt), ein Apparat, auf dessen Erzeugung infolgeseiner Wichtigkeit zu allen Zeiten, da Wachs- und Un-schlittkerzen im Gebrauch standen, großer Wert gelegt wurde.

Die Kollektion von 95 Stücken, welche in dieser Gruppevereinigt sind, bildet ein hinlängliches Material zur Beurteilungder Formen, der Ausstattung und der Einrichtungwohl sehr schöner als auch ganz einfacher Dochtscheren.

SO-

Alle Dochtscheren, vom reichsten bis zum einfachstenExemplare, bestehen der Hauptsache nach aus einer Schere,welche an einem Ende mit Griffen für die Finger aus-gestattet, am anderen aber derart eingerichtet ist, daß dasan einem Arme befindliche, zur Aufnahme des abgeschnittenenDochtes bestimmte Gehäuse durch eine am zweiten Armeangebrachte Wand verschließbar ist.

Die Dochtscheren sind aus Eisen, Messing oder Bronzeund( seit Anfang des 19. Jahrhundertes) aus Stahl erzeugt.

Die älteste Dochtschere dieser Kollektion dürfte das mitI auf Tafel 35 bezeichnete Exemplar sein; die Ornamenteder Scherenarme deuten auf den Anfang des 16. Jahr-hundertes. Eine größere Anzahl, die Exemplare 2, 3, 4 bis in-klusive 12, sämtliche aus Messing erzeugt, mehr oder weniger reich ornamentiert, dürften den späteren Dezennien des16. Jahrhundertes entstammen.

Mehrere dieser schönen Dochtscheren sind italienischerProvenienz( einzelne aus Venedig tragen das Bild des MarkusLöwen), andere hingegen, besonders jene mit dem Doppel-adler, wären vielleicht als Erzeugnisse österreichischer Alpen-länder zu betrachten.

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Die übrigen Exemplare der Tafel 35 sämtlich ausEisen erzeugtscheinen auch noch dem 16. Jahrhundertanzugehören, während alle auf der Tafel 36 dargestelltenStücke die Merkmale des 17. und 18. Jahrhundertes tragen.

Auf Tafel 37 sind 34 Dochtscheren abgebildet, welchealle den ersten Dezennien des 19. Jahrhundertes angehören;die meisten sind aus Eisen, Messing oder Gußeisen undeine große Anzahl infolge der um diese Zeit zunehmen-den Stahlindustrie aus Stahl erzeugt.

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Von diesen Exemplaren sind ganz besonders die Stücke55 bis inklusive 60 hervorzuheben, denn sie repräsentierendie Bestrebungen, den Apparat der Lichtputze zu verbessern.

Das Exemplar 55 ist ein einfaches Stück; die Scherewird durch die Hand in Bewegung gesetzt und der Dochtdurch das Zusammendrücken der Schere abgeschnitten. BeimExemplar 56 schließt sich die Schere durch Federkraft.Das Exemplar 57( aufs reichste ornamentiert) ist mit einerbeweglichen Wand W( Schutzwand) versehen, welchevor dem Abschneiden des Dochtes mit der linken Handherausgehoben und nachdem der Docht abgeschnitten war,wieder herabgelassen wurde, um das Herausfallen des Dochtesaus dem Gehäuse( Feuersgefahr und Gestank) zu verhindern.Das Exemplar 59 weist wieder eine Verbesserung auf,denn es ist mit zwei derartigen Wänden W versehen, undzwar dient die an der rechten Außenseite befindliche dazu,den angesammelten Docht aus dem Gehäuse entfernen zukönnen.

Was bei den Exemplaren 57 und 59 mit der linkenHand besorgt werden mußte das Herausheben und Schließender Schutzwand nämlich das vollzog sich beim Exemplare60 automatisch, indem sich beim Abschneiden des Dochtesdie Schutzwand W durch eine gedeckt angebrachte Hebelvor-richtung hob und schloß.

Eine sehr sinnreiche Variante dieser Konstruktionzeigt das Exemplar 58, Tafel 37, indem sich in dem zylindrisch gestalteten Gehäuse durch eine Hebelwirkung einentsprechend geformter Schuber vor die Öffnung schiebt.beziehungsweise dieselbe frei macht.

Eine Ausnahme bezüglich der Handhabung besteht nurbei der Dochtschere 28, Tafel 36, welche mit einem Mecha-nismus versehen ist, wie er bei den Schlössern der Vorder-ladegewehre besteht; die Abschließwand, mittels einer Feder

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