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Das Beleuchtungswesen : vom Mittelalter bis zur Mitte de XIX. Jahrhunderts, aus Österreich-Ungarn, insbesondere aus den Alpenländern und den angrenzenden Gebieten der Nachbarstaaten
Entstehung
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10, 21, 34) ein am oberen Ende der Säule wagrecht an-gebrachter Arm, an dessen Ende ein Ring die Bestimmunghat, die Kerze am oberen Teile zu stützen.

Eine beträchtliche Anzahl dieser Leuchter wird durcheinen auf der Säule ebenfalls nach auf- und abwärts ver-schiebbaren, um die Säule drehbaren Lichtschirm vervoll-ständigt( Tafel 10, Abb. 1, 2, 3, 18, 24, Tafel 11, Abb. 14,15, 16, 19, 28).

Eine sinnreiche, sehr zweckmäßige Einrichtung bestehtbei einigen derartigen( aus Oberösterreich stammenden)Leuchtern darin, daß am Boden der Kerzentülle eine miteiner Schraube versehene Scheibe angebracht ist, welche vonunten gegen den oberen Tüllenrand verstellbar ist und aufdiese Art der Kerzenrest immer wieder emporgehoben undzur vollständigen Verbrennung gebracht werden kann( Tafel10, Abb. 8 und 33).

Der auf Tafel 11, Abb. 10 dargestellte Leuchter ist amFuße im Umkreise der Säule mit einem Becher für Fidibusse versehen.

Einige Exemplare dieser Leuchter haben besondereEinrichtungen, so das Stück 25 auf Tafel 11, welches miteiner niedrigen und einer hohen Kerzentülle ausgestattet ist,damit man eine längere oder kürzere Kerze verwenden könne,ferner auf Tafel 10 das Stück 26, welches einerseits mit einerKerzentülle, anderseits mit einer Öllampe versehen ist, endlichdas meisterhaft gearbeitete Exemplar 27 auf Tafel 10, welchesnoch die an Kettchen befestigte Dochtschere und das in Formeiner Sturmhaube gestaltete Löschhorn aufweist.

Eine andere Konstruktion zeigt der auf Tafel 10 unter17 dargestellte, prächtige gotische Doppelleuchter, bei welchemdas Verstellen der Kerzentüllen auf der mit einem Schrauben-gewinde versehenen Säule erfolgt.

Auch die Exemplare 18 auf Tafel 10 sowie 28 aufTafel 11 müssen besonders erwähnt werden.

Das erstere, ein leider nicht kompletter Zinnleuchterist mit einem, in einer Schutzhülse fächerförmig zusammen-klappbaren, kreisförmigen Lichtschirm versehen, das letzterehingegen, ein ganz aus Holz erzeugter Leuchter, trägt diecharakteristischen Merkmale des Empire- Stiles; die Kerzen-hülse ist aus Stahl und der mit einer Schublade für Fidi-busse oder Schwefelfäden versehene Fuß, als auch der mittelseiner Feder verstellbare, rechteckige Lichtschirm sind mitpolierten Stahlknöpfen verziert.

Die bei den Leuchtern dieser Gruppe vorhandenenLichtschirme sind entweder dachartig( Tafel 11, Abb. 14)oder in der Form eines abgestutzten Kegels( Tafel 11,Abb. 15) oder schaufelförmig( Tafel 11, Abb. 16) oder recht-eckig( Tafel 11, Abb. 28), zumeist aber in der Form kreis-runder Scheiben, die entweder voll oder durchbrochen sind( Tafel 10 und 11, Abb. 1, 2, 3, 19 und 24).

Die letzteren, die durchbrochenen Lichtschirme, mitbildlichen Darstellungen ausgestattet, sind bestimmt, mitStoff überzogen zu werden; Abb. 1 auf Tafel 1o zeigt Adamund Eva zu beiden Seiten des Baumes der Erkenntnis;die nicht vollständig klare Umschrift lautet:

ICH FORCHT MICH NICHT FÜR HERRN UND FRAUENMAN MICH SCHON WOLLT BESCHAUEN, OB MICH MEINMEISTER MACHT RECHT,SO BIN ICH DOCH. …………EIN VIRGILI MARTHA DISCHLERIN 1580.

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Ebenso bemerkenswert ist der Lichtschirm 24 aufTafel 10, auf welchem ein laufender Hirsch dargestellt ist.

Gruppe IV. Standleuchter mit verstellbarer Kerzenhülse.

Diese Gruppe enthält solche Standleuchter, bei welchendie Kerzentülle verstellbar ist.

Der Hauptsache nach besteht ein derartiger Leuchteraus dem Fuße, der gleichzeitig als Traufschale und zur Auf-nahme der Dochtschere und des Löschhorns dient, und ausder senkrecht auf dem Fuße stehenden Einrichtung zurAufnahme der Kerze( Abb. 15).

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Abb. 15.

Diese Einrichtung erscheint in dreierlei Konstruktionen,und zwar

I. ist ein hohler Zylinder aus Eisen, Kupfer, Messingetc. der ganzen Länge nach mit einem Schlitze, zudessen beiden Seiten 3-4 Einschnitte in die Zylinder-fläche angebracht sind, versehen; in diesem hohlenZylinder bewegt sich die Kerzentülle nach auf- und ab-wärts, und zwar derart, daß die Handhabe der Tülle

aus dem Längsschlitze hervorsteht und es hiedurchermöglicht wird, die Tülle mit der Kerze nach auf- undabwärts zu schieben und in die seitlichen Einschnitte ein-zulegen, um die Kerze nach Bedarf höher oder tieferstellen zu können.

2. Dient eine aus Eisen geschmiedete Spirale zur Auf-und Abwärtsbewegung der Kerzentülle oder

3. bilden 4-5 starke Eisen- oder Messingdrähte oderSpangen die Stütze, innerhalb welcher sich die Kerzen-tülle höher oder tiefer stellen läßt.

Mit wenigen Ausnahmen hat jeder derartige Leuchteram oberen Teile einen zum Aufhängen oder zum Tragenbestimmten Haken.

Das Exemplar 44, Tafel 12, ist mit einem Lichtschirmeversehen, welcher in einer seitlich angebrachten Hülse nachBedarf verstellbar ist.

Die Zweckmäßigkeit dieser Leuchtertype hat es mitsich gebracht, daß dieselbe stets sehr verbreitet war undauch heutzutage vielfach( wenngleich in ganz einfachenFabrikserzeugnissen) in Verwendung steht.

Das älteste Stück der aus 64 Exemplaren bestehendenKollektion dieser Gruppe dürfte der aus Kupfer getriebeneLeuchter I auf Tafel 12 sein; Form, Ornament und Erzeu-gungsart deuten auf das 16. Jahrhundert.

Schöne Repräsentanten des 17. Jahrhunderts sind dieExemplare 5, 25, 33, 44, 45, 46 und 49 auf Tafel 12, während das 18. Jahrhundert durch das sehr interessante, ausHallstatt stammende, aus Eisen geschmiedete Exemplar 3,ferner die Exemplare 27 und 32, sowie das mit reich ver-