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Das Beleuchtungswesen : vom Mittelalter bis zur Mitte de XIX. Jahrhunderts, aus Österreich-Ungarn, insbesondere aus den Alpenländern und den angrenzenden Gebieten der Nachbarstaaten
Entstehung
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3. Die Klemmfeder, welche mit einer Handhabe zum Zu-rückziehen derselben ausgestattet ist.

Die meisten dieser Leuchter sind für ein oder zwei,seltener für drei oder vier Kerzen eingerichtet.

Der auf Tafel 9 mit 22 bezeichnete Doppelleuchter ist einderartiges, der gotischen Periode etwa dem Ende des15. Jahrhunderts entstammendes Stück, und zwar ausMessing gegossen.

Im Mittelpunkte der kreisrunden, stark vertieften Trauf-schale ist senkrecht die Säule befestigt, deren oberes Endemit einer Kreuzrose geziert ist.

12

Abb. 13.

Im oberen Teile dieser Säule zweigen zwei Arme ab,an deren Enden die ringförmigen Kerzentüllen angebrachtsind; am unteren Teile der Säule sind die beiden Klemm-federn, welche bis in die Tüllen hinaufreichen, befestigt;die Handhaben an diesen Klemmfedern ermöglichen dasZurückziehen der Feder, ohne daß der Finger vom ab-tropfenden heißen Wachs oder Talg getroffen wird.

Die meisten dieser Leuchter sind aus Eisen geschmiedetund mit mehr oder minder reichen Ornamenten ausgestattet,und zwar ist das Rankenornament am häufigsten vertreten( z. B. Tafel 9, Abb. 18), an einigen sind stilisierte Blätterund Blüten angebracht( Tafel 9, Abb. 15), während bei an-deren Hammer, Hufeisen, Sensen u. dgl. auf den Beruf( Tafel 9, Abb. 19. und 33) oder ein Wappenschild auf dieadelige Herkunft des Besitzers deuten( Tafel 9, Abb. 34);auch der Hahn als Symbol des Frühaufstehens ist( bei demExemplare 34, Tafel 9), und zwar als krönendes Ornamentder Säule verwendet.

Den verschiedenen Zwecken entsprechend, wurde auchdiese Leuchtergattung in verschiedenen Größen, beziehungs-weise mit besonderen Einrichtungen erzeugt; so ist 23, Tafel 9,

ein außergewöhnlich hohes Stück; 31, Tafel 9, hat keinGestell und keine Traufschale, sondern am unteren Endeein Schraubengewinde und konnte somit an einer beliebigenStelle ins Holz eingeschraubt werden, das Stück 46, Tafel 9, istsogar an beiden Enden der Säule mit Schraubengewinden ver-sehen, um den Leuchter nach Bedarf mit dem oberen oderunteren Ende einschrauben zu können.

Bei den besseren, reicher ausgestatteten Stücken ist auchden Traufschalen größere Beachtung gewidmet und sind die-selben z. B. herz oder kleeblattförmig gestaltet( Tafel 9,Abb. 14, 16 und 19) und der Rand oft besonders schön mitZackenmustern verziert.

Eine Abart in der Konstruktion weist das Stück 36,Tafel 9, auf. Die Kerzentülle ist direkt an der Säule befestigt, die Klemmfeder entsprechend angebracht. Zum Tragendes Leuchters ist ein sehr zweckmäßiger Griff, zur Auf-nahme der Kerzenreste ein Schüsselchentrichterförmigen Gefäßes vorhanden.

anstatt des

Die aus Eisen erzeugten Leuchter dieser Gattung zeigenfast ausnahmslos vortreffliche Schmiedearbeit; nur die ganzeinfachen Stücke tragen den Stempel der Dutzendware, diebesseren aber zeichnen sich durch geschmackvolle Anordnungdes Ornamentes und besonders durch solide Herstellung aus.Die Vorteile dieser Leuchtergattung werden durch deneinen großen Nachteil, daß der Kerzenrest sehr leicht durchdie Tülle herabfällt, weiterbrennt und hiedurch Gefahrenschafft, beeinträchtigt.

Der Mitteilung eines alten Dorfschmiedes in Veldes inKrain zufolge soll dieses Nachteiles wegen diese Leuchter-gattung behördlich verboten gewesen sein. Tatsächlich scheintdiese Type zu Ende des 18. Jahrhunderts ganz außer Gebrauchgekommen zu sein, denn kein einziges Stück der Kollektionträgt die Spur der seit dem Jahre 1800 herrschend gewesenenKunststile.

Erst in den letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts sinddiese Leuchter, ihrer zierlichen Erscheinung wegen, als einbeliebtes Sammelobjekt der Antiquitätensammler zu neuemLeben erweckt worden und werden von Kunstschlossern,sowohl in Kopien nach alten Mustern, als auch in zeit-gemäßen Neukonstruktionen in den Handel gebracht.

Prächtige Exemplare dieser Leuchtertype befinden sichin Wien, im Besitze Seiner Exzellenz des Herrn GrafenHans Wilczek in der Burg Kreuzenstein und in der Samm-lung des Herrn Dr. Albert Figdor.

Gruppe III. Standleuchter mit verschiebbarer Kerzenhülse und mit Lichtschirm.

Der Standleuchter mit verschiebbarer Kerzenhülse isteine der zweckmäßigsten Leuchtergattungen; die Kerzentülleist nach auf und abwärts verschiebbar und nach beliebigerSeitenrichtung beweglich.

Bei einigen dieser Leuchter ist überdies ein Haken zumAufhängen oder ein Ring zum Tragendes Leuchters angebracht.Der Hauptsache nach besteht ein derartiger Leuchter( Abb. 14)

1. aus dem Fuße, welcher durch eine meist kreisrunde,seltener quadratische oder anderweitig geradlinige Trauf-schale, an welcher drei respektive vier Füße angebrachtsind, gebildet ist. Die Traufschale dient zur Aufnahmeder Dochtschere, des Löschhorns etc.

2. aus der, aus der Traufschale senkrecht aufsteigendenSäule und

3. aus einer oder zwei auf dieser Säule verschiebbaren,durch eine Feder in beliebiger Stellung festgehaltenenKerzentüllen.

Die meisten dieser Leuchter sind für eine, die geringereAnzahl für zwei Kerzen eingerichtet.

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Abb. 14.

55.205

Zur Sicherung einer sehr langen Kerze dient in vielenFällen( Tafel 10, Abb. 6, 9, 22, 23 und Tafel 11, Abb. 7,

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