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Das Beleuchtungswesen : vom Mittelalter bis zur Mitte de XIX. Jahrhunderts, aus Österreich-Ungarn, insbesondere aus den Alpenländern und den angrenzenden Gebieten der Nachbarstaaten
Entstehung
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halten, stellen den Reichsapfel dar und als Handhabe ist indem Mittelpunkte ein mit einem Griffe versehener Doppel-adler angebracht.

Einem ganz ähnlichen, jedoch mit einem Fuße aus-gestatteten Stücke im Kloster St. Florian in Oberösterreichzufolge, läge die Vermutung nahe, daß bei dem oben bespro-chenen Exemplare der Fuß in Verlust geraten ist.

Das Exemplar 24, Tafel 42, stellt eine andere Type einesWachsstockhälters dar, und zwar besteht derselbe aus einerMessingbüchse, in deren unterem Teile der Wachsstock zu-sammengerollt untergebracht ist, während sich in dem Deckel

ein Loch befindet, durch welches der Wachsstock nach Bedarfherausgezogen werden kann; durch einen flachen Haken wirder in der erforderlichen Stellung festgehalten; ein an derSeite der Büchse angebrachter Griff erleichtert die Hand-habung des Wachsstockhälters.

Dieses interessante, mit gravierten Ornamenten ver-sehene Stück stammt laut der ebenfalls gravierten Jahreszahlaus dem Jahre 1740.

Der in der Gruppe vorhandene, mit erhabenen farbigenRosenornamenten verzierte Wachsstock dürfte der Mitte des18. Jahrhunderts angehören.

Gruppe XVII. Öllampen.

Öl war der am meisten im Gebrauche stehende Be-leuchtungsstoff; die Mannigfaltigkeit der Formen von Öl-lampen ist daher sehr groß.

Auch die Gruppe dieser Sammlung, in welcher dieÖllampen aufgenommen sind, weist nächst den Spanleuchternund Feuerzeugen, die größte Ziffer und zwar 129 Stücke auf.

Wie schon bei der Gruppe XII( Steh- und Hängeleuchter für Talg) erwähnt wurde, besteht die Öllampeimmer( Ausnahmen sind sehr selten) auseinem ge-schlossenen Gefäße, im Gegensatze zu den Beleuchtungs-geräten für Talg, welche immer eine offene Schale haben.

Sehr viele dieser geschlossenen Gefäße für die Be-leuchtung mit Öl haben bis in unsere Zeit die Form derantiken Lampen beibehalten.

Antike Lampen befinden sich in dieser Sammlung nursehr wenige, da sich ja der Verfasser bei seiner Sammel-tätigkeit zum Ziele gesetzt hatte, nur solche Gegenstände indie Sammlung aufzunehmen, welche entweder als Erzeug-nisse der Monarchie erscheinen oder zum mindesten aufdem Boden derselben gefunden wurden, also voraussichtlichauch hier in Verwendung gestanden sind.

Von antiken Öllampen erschienen die Exemplare 60und 61, Tafel 45, römische Tonlämpchen, ganz besondersgeeignet, in diese Sammlung aufgenommen zu werden, weildas Exemplar 61, Tafel 45, welches der Sammlung ausRom zugekommen ist, mit einem Relief geschmückt ist,welches Jupiter, den Gott des Lichtes, des leuchtendenHimmels mit dem Szepter, sowie den Adler, der die Blitzein den Fängen hält, darstellt; es ist der erhabenste Schmuckfür ein Beleuchtungsgerät.

Nicht minder interessant ist die aus Karthago stammendeTonlampe 60, Tafel 45, denn sie trägt als Zierde ein Reliefdes siebenarmigen Leuchters des Tempels zu Jerusalem,ganz gleich dem Relief dieses Leuchters, wie es sich amTitus- Bogen in Rom befindet.

Den antiken Lampen zunächst wären einige gotischekleine Hängelampen zu nennen, welche sich besonders durchdie schöne, einfache und zweckmäßige Form auszeichnen.

Es sind dies die auf Tafel 45 dargestellten Exemplare36, 91 und 92.

Von den übrigen zum Hängen eingerichteten Öllämpchendieser Gruppe wären besonders zu bemerken: die Exemplare26 und 66, Tafel 45, beide aus Glas; sie stammen aus Süd-tirol. Das erstgenannte Stück ist noch mit der Hänge-vorrichtung, einem Drahte versehen.

Beide Stücke sind sehr zierlich in der Form und denErzeugnissen der altvenetianischen Glasindustrie ähnlich;es erscheint daher auch mit Rücksicht auf den Fundortsehr wahrscheinlich, daß dieselben aus einer venetianischenGlasbläserei stammen. Sehr schön in der Form sind auchdie Exemplare 69 und 99, Tafel 45, aus Messing sehr gut

gegossen; ersteres ist mit einem Löschhorne und einem Stiftezur Behandlung des Dochtes sowie mit einem Haken, derdas Aufhängen oder das Tragen der Lampe in der Handermöglicht, versehen.

Diese Stücke dürften ebenfalls aus Venedig stammenund jener den Namen: Venetianer Lampen" tragendenGattung von Öllampen angehören, welche bis in denBeginn des 19. Jahrhundertes sehr verbreitet waren.

Von diesen sehr dekorativ ausgestatteten VenetianerLampen befinden sich in dieser Gruppe zehn Exemplare;es wäre zu betonen, daß dieselben( 1, 51, 27, 39, 17, 6, 16und 14 auf Tafel 46) in den verschiedensten Ausstattungenvorhanden sind, und zwar mit den zur Behandlung desDochtes und zum Ablöschen der Flamme erforderlichenGerätschaften, kleinen Zangen, Löschhörnern, Docht-scheren etc., sowie, daß dieselben in Exemplaren für eine,zwei, drei und vier Flammen und endlich in solchen, welcheüberdies mit einem Lichtschirme versehen sind, sich in derSammlung befinden.

Bei zweien dieser Lampen ist das Ölbehältnis ausGlas, und zwar hat Exemplar 1, Tafel 46, ein geblasenes,geripptes, Exemplar 27, Tafel 46, ein in Facetten ge-schliffenes Olgefäß.

Das zu dieser Type gehörige Exemplar 51, Tafel 46,ist ein ganz besonders bemerkenswertes Stück, denn essind sämtliche Teile der Lampe, einschließlich der Mittel-stange, welche in den Fuß eingeschraubt ist und auf welcherdas Ölgefäß auf- und abgeschoben werden kann, aus Glas;und auch der leider fehlende Tragring war gewißauch aus Glas, da ja die Stange das zum Aufschrauben desTragringes erforderliche Schraubengewinde aufweist.

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An dieser Stelle müssen auch die Exemplare 8 und 97,Tafel 45, hervorgehoben werden. Ersteres ist aus Bronze,letzteres aus Glas; dem ersteren fehlt der Deckel, demletzteren der Fuß.

Werkstätten dürften

Ebenfalls aus venetianischendie gläsernen Lampen 4, 24 und 25, Tafel 45, stammen.Besondere Erwähnung verdient das fast tadellos erhalteneExemplar 24, Tafel 45; es präsentiert sich als ein sehrschön geformtes Ölgefäß mit drei Hälsen für die Dochte. DieKonstruktion dieser Öllampe ist eine nicht gewöhnliche,denn sie ist derart eingerichtet, daß das zylindrische Öl-behältnis mit der sehr kleinen Öffnung nach abwärts inden mit den Dochthälsen versehenen Zylinder, an dessenBoden etwas Werg aufgeschichtet war, eingeschoben wurdeund daß das Öl nur sukzessive- je nach dem Verbrauchedurch die Wergschichte durchsickerte und in die Dochteeindrang.

Die gleiche Einrichtung weisen die Exemplare 4 und 25auf; doch fehlt bei 4 das Ölbehältnis, beim Exemplar 25der Fuß. Eine ähnliche Konstruktion weisen die Nacht-

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