Gruppe IX. Wandleuchter.
Wandleuchter, bestimmt, an einer Wand, überhaupt aneiner senkrechten Fläche angebracht zu werden, erscheinenals Wandarme, welche entweder direkt in die Wand ein-geschlagen, eingeschraubt oder mit Haken eingehängt werden( Abb. 19), oder sie bestehen aus einem an der Wand an-
Abb. 19.
zubringenden Schilde, an welchem der zur Aufnahme derKerze bestimmte Arm befestigt wird( Abb. 20).
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Abb. 20.
Auf Grund dieser Typen erscheinen die Formen derWandleuchter in unendlicher Zahl; am häufigsten findensie in den Kirchen Verwendung, sehr oft sind sie in Palästenoder in großen, zu öffentlichen Veranstaltungen dienendenSälen oder in Kanzleien usw. im Gebrauche.
Zumeist sind Wandleuchter aus Eisen, Messing, Bronze,Zinn oder Blech, seltener aus Glas oder Ton erzeugt; inden zwei letzteren Fällen sind die zur Befestigung an derWand erforderlichen Einrichtungen stets aus Metall.
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Die Wandschilde sind entweder aus Metall oder ausHolz im letzteren Falle geschnitzt und vergoldet her-gestellt und sehr häufig mit geschliffenen Gläsern oderSpiegeln versehen, um durch den Glanz des Glases undder sich spiegelnden Flamme die Wirkung der brennendenKerze zu erhöhen.
Die ältesten Stücke, welche sich in dieser Gruppe be-finden, dürften das Exemplar I( siehe die Abb. 19 amEingange dieses Kapitels) und die auf Tafel 22, Abb. 2und 3, dargestellten Exemplare sein; es sind höchst ein-fache, geschmiedete, derbe Wandleuchter, welche kirchlichen
Zwecken gedient haben und wahrscheinlich dem Anfangedes 16. Jahrhunderts entstammen.
Bemerkenswert sind die in zwei Exemplaren vorhandenen Stücke 11, Tafel 23, derb in Eisen geschmiedet,die einzelnen Teile mit Bronze gestrichen und die Konturendes Engels und der Blattornamente mit Ölfarbe gut ge-zeichnet; sie dürften am Ende des 16. oder am Anfangedes 17. Jahrhunderts entstanden sein.
Die Mehrzahl der in dieser Gruppe vorhandenen Stückegehören dem Barock- und dem Rokokostile an.
Sehr schöne barocke Formen weisen die folgendenStücke auf: Die zwei Exemplare 6, Tafel 23, zum Ein-schrauben in die Wand eingerichtet, aus Eisen geschmiedetund mit schönen Blattornamenten versehen; die Schmiede-arbeit dieser Stücke ist eine vorzügliche.
Die zwei Exemplare 7, Tafel 23 und 24, sind ganz
besonders reich ausgestattete Wandleuchter. Der Schild istin Rahmenform aus Holz geschnitzt, teils vergoldet, teilsschwarz gestrichen; der Rahmen ist ausgefüllt mit einemdurch eingeschliffene Ornamente verzierten Spiegel; an einemaus Eisen reich geschmiedeten, polychromierten Arme( 7,Tafel 23), welcher in einem entfalteten Blumenkelche endigt,befindet sich die Kerzentülle.
Diese reich ausgestatteten Stücke dürften um dasJahr 1700 entstanden sein.
Auch das in Bronze gegossene Stück( 15, Tafel 23)wäre hier zu nennen; die drei an einem gemeinsamenMittelpunkte vereinigten Kerzenarme lassen auf italienischeProvenienz schließen, und es sei hierbei erwähnt, daß, nachanalogen Wandleuchtern zu schließen, auch bei diesemStücke ein Wandschild gewesen sein dürfte.
Eine ganz eigenartige Form weist das für zwei Kerzeneingerichtete Stück 16, Tafel 22, auf, sowie auch die zwei ausEisen geschmiedeten, mit drei Kerzentüllen ausgestattetenStücke 26, Tafel 23, welche der ungewöhnlichen Form wegenals auch der etwas unklaren, aber doch eigenartigen An-wendung des Ornamentes wegen Erwähnung verdienen.
Der Rokokostil ist durch die charakteristischen Exemplare 13, 14 und 39, Tafel 24, sehr gut vertreten.
Eine Abart von den im vorstehenden behandelten Formenbietet der Wandleuchter 12, Tafel 22, welcher, kirchlichenZwecken dienend, derart eingerichtet ist, daß die Kerze inihrer jeweiligen Länge durch das verstellbare Stück S ge-stützt werden kann.
Das Exemplar 42, Tafel 22, ist ein etwa dem 19. Jahr-hunderte angehörender Schiffswandleuchter, der, mit cardanischen Ringen ausgestattet, den Bewegungen des Schiffeszu folgen imstande ist, demnach die Kerze vertikal bleibt;überdies kann derselbe im Bedarfsfalle als Standleuchterauf einer horizontalen Fläche verwendet werden.
Bezüglich aller übrigen, nicht besonders erwähntenExemplare dieser Gruppe wird auf die bildlichen Darstellungen der Tafeln 22, 23 und 24 hingewiesen.
Gruppe X. Leuchter für Kultuszwecke.
Der leichteren Übersicht wegen dürfte es zweckmäßigerscheinen, die in dieser Gruppe vereinigten 42, mit Dou-bletten 53 Beleuchtungsgeräte, welche kirchlichen Zweckenzu dienen bestimmt waren, wie folgt einzuteilen:
1. Altarleuchter,
2. Osterkerzenleuchter,
3. Opferkerzenleuchter,
4. Vortragsstangen für Kerzen.
Die Formen aller für kirchliche Zwecke dienendenLeuchter etc. sind unendlich mannigfaltig, nicht nur in bezugauf die Gestaltung, sondern auch bezüglich der Reichhaltig-keit der Verzierung.
Dieser unendliche Formenreichtum erklärt sich wohlvon selbst; denn zu allen Zeiten wurde der Kirche das mög-lichst beste geboten, dem Gottesdienste war und ist nichtsgut genug.