Gruppe XVIII. Laternen und Lampions.
Das Bedürfnis, die Flamme vor dem Verlöschen zuschützen und Feuersgefahr zu verhindern, führte zur Ein-führung der Laterne.
Die Laterne gelangt in sehr mannigfacher Gestalt,Größe und Einrichtung zur Verwendung; zur Beleuchtungvon Vorräumen, von Stallungen, von Stiegen, Gängen, Ma-gazinen, zur Beleuchtung der öffentlichen Plätze und Straßen,zum Gebrauche in Kirchen usw. mußte die Laterne ver-schiedenartig gestaltet und ausgestattet sein.
In dieser Gruppe sind 47 Laternen, beziehungsweiseLampions vorhanden.
Die Exemplare I und 32, Tafel 51, sind Stall- Laternen;sie bestehen aus einem zylindrisch geformten Drahtgeflechte,sind mit einem Boden aus Eisenblech ausgestattet und zurAufnahme einer Kerze eingerichtet.
Die Laternen 10, 11 und 20, Tafel 51, aus Eisenblecherzeugt, haben durchbrochene Wände und wurden beimHerumgehen in Haus und Hof benützt; bemerkenswert istbei diesen drei Exemplaren die in einfachen, aber recht wirkungsvollen Ornamenten durchgeführte Durchlöcherung derLaternenwand.
Die Exemplare 21, 43, 8, 12 und 44, Tafel 51, und 7,41, 19 und 45, Tafel 52, deren Wände mit Glasscheiben, be-ziehungsweise mit Glaslinsen versehen sind, dürften ähnlichen Zwecken gedient haben.
Ein besonders interessantes Stück dieser Art ist dasaus Holz erzeugte Exemplar 37, Tafel 52; als achtseitigesPrisma gebildet, ist jede Seite des Prismas mit Ausschnittenversehen, keine Seite der anderen gleich, überdies stellen-weise mit roter und blauer Farbe bemalt. Diese Laternestammt aus Meran und trägt die Jahreszahl 1782.
Um die Mannigfaltigkeit der Formen darzutun, seienaus der großen Zahl der vorhandenen Stücke noch einigeExemplare erwähnt.
Die Laternen 2, 4 und 36, Tafel 52, sind aus Eisen-blech erzeugt, von geringer Größe und für Kerzenbeleuchtungeingerichtet; der Lichtschein dringt beim Exemplar 2 durcheine Glasscheibe, 4 durch eine Glaslinse und beim Exem-plar 36 durch die dicht durchlöcherte Wand.
Die Laternen 26 und 28, Tafel 52 und 17, 27, 39, 23, 29,35 und 22, Tafel 53, sind ebenfalls für Beleuchtung mitKerzen eingerichtet, die meisten aus Messingblech erzeugt,mit Glasscheiben ausgestattet und grundverschieden in denFormen; das Exemplar 26 ist überdies als Kerzenleuchterverwendbar.
Von besonderem Interesse sind die Laternen 30 und31, Tafel 51. Sie sind aus Ton gebrannt, dunkelgrau undan der Vorderseite ist eine Glasscheibe eingeschoben; in denoberen Flächen sind einige Öffnungen für den Rauchabzug
angebracht. Die Laternen 5, 6, 34 u. 42, Tafel 54, sind für län-geren Gebrauch eingerichtet; am Boden der Laterne ist einZylinder angebracht, in welchen eine längere Kerze einge-schoben werden kann, die nach dem Maße der Verbrennungdurch eine im Zylinder befindliche spiralförmige Feder immernach aufwärts gedrückt wird.
Von gleicher Konstruktion, aber um vieles größer sinddie Exemplare 13, 25 und 40, Tafel 54, welche als Wagen-laternen dienten.
Die zum Hängen eingerichtete Laterne 18, Tafel 54,diente religiösem Zwecke und dürfte bei einem Adorations-objekte angebracht gewesen sein.
Die in dieser Gruppe vorhandenen Lampions 14, 15,16 und 38, von welchen die drei ersten auf der Tafel 53dargestellt sind, dienten höchstwahrscheinlich dazu, imSacke mitgetragen und im Bedarfsfalle bei der Heimkehrauf der Stiege usw. benützt zu werden. Die Kapseln sindaus Messing oder Holz erzeugt; auf der Innenseite der un-teren Kapsel befindet sich ein Dorn oder eine Tülle zurAufnahme der Kerze.
Die Wand dieser Lampions ist entweder aus Papieroder Leinwand erzeugt und derart zusammengefaltet, daßder Lampion in geschlossenem Zustande höchstens 2 cmdick ist.
Besonders bemerkenswert ist von diesen drei Exemplaren der Lampion 16, Tafel 53; die Kapsel ist ausHolz erzeugt und die papierene Mantelfläche mit einer bild-lichen Darstellung einer Schlittenfahrt und einem auf diesebezughabenden Spruche versehen:
,, Auch zu der kalten Winterszeit
Die Schliten bann mein Herz erfreut."
Dem Verfasser ist ein analoges Stück bekannt, aufwelchem sich Bildnisse der Kaiserin Maria Theresia undihres Gemahls, des Kaisers Franz, in koloriertem Kupfer-stich befinden.
Zu den Lampions ist noch das sehr bemerkenswerteExemplar 46, Tafel 52, zu zählen; die eiförmige Gestalt diesesStückes entsteht durch die in ovaler Form geschmiedeteneisernen Reifen, welche oben und unten durch einen Stiftvereinigt die Eiform ergeben und das Zusammenfalten desLampions gestatten.
Im Innern ist eine Kerzentülle, oben außen ein Trag-ring angebracht.
Dieser Lampion, nach der Schmiedearbeit und nacheinigen Verzierungen zu urteilen, im 17. Jahrhunderte ent-standen, ist gegenwärtig mit Leinwand überdeckt, doch er-scheint es wahrscheinlich, daß er zur Zeit seiner Entstehungmit einem transparenten Stoffe versehen war.
Gruppe XIX. Feuerzeuge( Zündmaschinen).
Obwohl in der Einleitung betont wurde, daß es wederAbsicht des Verfassers, noch Aufgabe dieser Schrift ist, kultur-historische Abhandlungen zu bringen, so erscheint bezüglichder Feuererzeugung ein kurzer historischer Rückblick uner-läßlich.
Die schöne griechische Sage erzählt, Prometheus habeder Menschheit das Licht vom Himmel gebracht.
Die Erhaltung des Feuers, der Flamme, wurde,mangels der Möglichkeit Feuer zu erzeugen, dringend erforder-lich und führte in weiterer Folge zum Kulte der Vestalinnen,welchen die Pflicht oblag, das Feuer beständig zu erhalten.
Das ewige Licht der christlichen Kirche bildet die Fort-setzung dieses der antiken Welt angehörenden Kultes.Im Wohnhause mußte das Herdfeuer durch entsprechendeDer Blitzstrahl, der z. B. einen Baum in Brand setzte, Vorkehrungen( Bedecken der glühenden Kohle mit Asche)erzeugte die Flamme, das Licht das Feuer.erhalten werden, weil die Einrichtungen zur Erzeugung der
-
20