Kerzentülle auf einer senkrechten Stange nach auf- undabwärts verstellbar ist und mittels einer Feder in be-liebiger Stellung auf der Stange festgehalten wird; der Arm,der am äußersten Ende die Kerzentülle trägt, besteht ausmehreren, eine Verlängerung, beziehungsweise Zusammen-schiebung gestattenden Gliedern und ist nach beliebigerSeite drehbar.
Die beiden erstgenannten Exemplare( 1 u. 2) sind reichverziert; das mit edlem Blattornamente ausgestattete Exem-plar i stammt aus dem Beginne des 17. Jahrhunderts, währenddas Exemplar 2 die weniger gefälligen Formen des zu Endedes 18. Jahrhunderts herrschenden Kunststiles aufweist.
Die Schmiedearbeit ist von bester Art; beide Stückewaren unzweifelhaft in einem besseren Bürgerhause oder ineiner Schreibstube in Verwendung, während das Exemplar 5von ganz gleicher Konstruktion, jedoch ohne allen ornamen
talen Schmuck, höchstwahrscheinlich in einer Werkstätte be-nützt wurde.
Das ebenfalls transportable Exemplar 3 ist ein höchst-interessantes Stück. Um ein möglichst geringes Gewicht zuerzielen, ist das ganze Gestell und sogar eine zum Verstellendienende Feder aus Holz erzeugt, und nur der oberste Teil,die Stange und der horizontale, aus mehreren Gliedern be-stehende Arm mit der Kerzentülle ist aus Eisen, in einfacher,aber sehr guter, solider Arbeit ausgeführt.
Die Bearbeitung der aus Holz hergestellten Teile isteine vorzügliche; das spärliche, geschnitzte Ornament läßtschließen, daß dieses bemerkenswerte Stück um die Mittedes 18. Jahrhunderts entstanden sein dürfte.
Die beigegebene Reproduktion eines Kupferstiches nachGoltzius( gest. 1616) zeigt einen ähnlichen Leuchter im Ge-brauche( Abb. 18).
Gruppe VIII. Handleuchter.
Der Handleuchter, das beim Herumgehen im Hausebevorzugte Beleuchtungsgerät, ist, dieser Verwendung ent-sprechend, zumeist mit einer bequemen Handhabe versehen.
Der Typus des Handleuchters stellt sich demnach sodar, daß die Kerzentülle in einer mehr oder weniger flachenSchale( Tafel 21, Abb. 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 12 und 14),welche in einzelnen Fällen( Exemplar 12) mit drei Füßenversehen ist, angebracht ist, und daß diese Schale mit einerHandhabe ausgestattet erscheint.
Diese Schale bildet also den Fuß und die Traufschaleund dient gleichzeitig zur Aufnahme der Dochtschere, desLöschhornes usw.
Mit diesen typischen Einrichtungen sind auch die inder Sammlung vorhandenen Stücke dieser Gruppe aus-gestattet, die Formen jedoch sowie das verwendete Materialweisen große Verschiedenheiten auf.
Das in Enns( Oberösterreich) bei der Pfarrkirche beiGelegenheit einer Erdaushebung zutage geförderte Stück 10,Tafel 21 erscheint als die denkbar einfachste Grundformeines Handleuchters; in der Mitte der kreisrunden, sehr flachenSchale ist die Kerzentülle angebracht; eine Handhabe hatan diesem Stücke nie bestanden.
Dieser aus grauem Ton vorzüglich gebrannte, ungla-sierte Leuchter dürfte dem 14. oder 15. Jahrhunderte ent-
stammen.
Ebenso einfach in der Form ist das aus verzinntem Eisen-blech erzeugte Stück 4, Tafel 21; ein sehr zierliches Exem-plar ist das aus Zinn gegossene Stück 9, Tafel 21.
bildet, während der nach rückwärts geschwungene rechteArm mit dem erhobenen linken Fuße zur Handhabe ge-staltet ist.
Im Exemplare 13, Tafel 21, ist eine Najade, welcheeine die Kerzentülle darstellende Blüte in den Armen hält,derart geformt, daß aus der die Verlängerung des Ober-leibes bildenden Flosse die Handhabe gestaltet ist.
Dieses aus Messing gegossene Exemplar dürfte dem18. Jahrhunderte entstammen, vielleicht sogar eine spätereNachbildung eines besseren Originales sein.
Eine ganz besondere Ausnahme bildet das Exemplar 1,Tafel 21;es ist aus hartem schwarzen Holze erzeugt, dieHandhabe, gleich einer Röhre geformt, ist mit Elfenbein-stäben eingelegt.
Ein aus Holz sehr solid gearbeitetes Behältnis dientzur Aufnahme dieses Leuchters; das Behältnis ist mit Bunt-papier, dessen Ornamente türkische Reitergestalten auf-weisen, überzogen.
Die äußere Erscheinung, die Einlagen mit Elfenbeinund endlich die obenerwähnte Ausstattung des Buntpapiereslassen auf orientalische Glossar ::: zum Glossareintrag orientalische Provenienz dieses Stückes schließen.
Die Handhabe in Form einer Röhre wäre vielleichtdahin zu deuten, daß diese Röhre zur Versorgung der Kerzegedient hat und das zur Aufnahme des Leuchters vorhandeneBehältnis gestattet die Vermutung, daß dieser Leuchter einReiseleuchter war.
Wenn nun diese Vermutung einige Wahrscheinlichkeitzuläßt, so dürfte- im Hinblicke auf die durch das Buntpapier
Ausnahmen von dieser Grundform weisen die nach mit„ türkischen Reitern" um so wahrscheinlichere orienfolgenden Stücke auf:
Der Handleuchter 7, Tafel 21, japanischen Ursprunges,ist am Fuße mit einer Zündmaschine ausgestattet, aus Eisengeschmiedet und die Scheibe, welche den Fuß, beziehungs-weise die Traufschale bildet, mit Tauschierungen in Goldund Silber, welche nebst Blumenornamenten eine Jagd dar-stellen, versehen.
Das aus Eisen geschmiedete Exemplar 11, Tafel 21,dürfte seine Entstehung einem humorvollen Dorfschmiede zuverdanken haben; ein scheinbar laufender Mann hältmit der linken Hand seinen Hut, welcher die Kerzentülle
talische Provenienz und in Anbetracht des Umstandes, daßdieses bemerkenswerte Stück bei einem Trödler in Wiengefunden wurde die Annahme nicht allzu kühn erscheinen,daß dieser Reiseleuchter von dem bei der Belagerung Wiensim Jahre 1683 in Verwendung gestandenen türkischen Heere
stammt.
Zum Schlusse wäre noch das Exemplar 5, Tafel 21,zu nennen, welches in der Form einer Büchse die Einrich-tungen eines Leuchters in sich trägt und zweifelsohne dazubestimmt war, im Sack getragen zu werden, um im Bedarfs-falle als Handleuchter in Verwendung zu gelangen.
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