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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
Entstehung
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Zur Beobachtbarkeit von Langeweile

Wenn ich nun teilnehmende Beobachtung als eine weitere Methode vorstelle,so setzt dies voraus, dass ich das Phänomen der Langeweile für beobachtbar hal-te. Dieser Schluss wurde jedoch nicht ohne Weiteres getroffen, hatte ich dochmeine Mühe mit dieser Herangehensweise. Denn Langeweile beobachten zukönnen, ist einerseits nicht immer möglich, andererseits beruht diese Feststel-lung immer nur auf einer Vermutung. Beide Punkte sollen im Folgenden nähererklärt werden.

Sich langweilen kann ein Akt der Hinterbühne im Sinne von Goffmans The-atermetaphorik sein, wenn man bestrebt ist, diese nicht sichtbar werden zulassen. So stehen beispielsweise Verschleierungstaktiken für manche, von Un-terforderung und Monotonie gekennzeichneten Arbeitsplätze an der Tagungs-ordnung. Langeweile vollzieht sich in diesen Fällen im Verborgenen und würdesich somit der Beobachtbarkeit entziehen.

Nehmen wir uns für den zweiten Punkt noch einmal der Situation im ein-leitenden Kapitel an. Nicht unwesentlich war die Tatsache, dass sich mein For-schungsfeld mir förmlich aufdrängte- mehr dazu aber später. Es waren ge-wisse physische Signale, eine Art Performance, die durch Körperhaltung undMimik der Anwesenden auf Langeweile hindeuteten. Doch taten sie auch nichtmehr als das. Sie deuteten lediglich auf gelangweilte Körper hin, gaben jedochkeinen Aufschluss darüber, was in den Köpfen der Menschen vorging. DieserGedanke schließt direkt an das begriffliche Problem an- nur ist es in diesemFall empirisch erprobt. So beobachtete ich ein- scheinbar- gelangweiltes Ge-sicht( Emotion) und schloss darauf, dass die Person sich tatsächlich langweilt( Gefühl). An dieser Stelle galt es nun die beobachteten Personen entweder zubefragen, was unweigerlich zu den oben genannten Problemstellungen in In-terviews führen würde, oder bekräftigende oder entkräftende Argumente fürmeine Beobachtung zu suchen. Durch das Miteinbeziehen von Kommentarensowie der Betrachtung der Umgebung, des Rahmens und der zeitlichen Dauerder Veranstaltung bestätigte sich meine Vermutung.

Die Erfahrungen aus dem Feld weisen darauf hin, dass man sich dem Phä-nomen der Langeweile anhand der klassischen Methoden unseres Faches nurschwer bzw. auf Umwegen annähern kann. Es erfordert mehr Tiefgang, derdurch eine feinfühlige Herangehensweise als auch eine analytische Wachsamkeiterreicht werden kann. Diese Kriterien finden sich in der Methodologie der Kul-turanalyse wieder.

9 Siehe hierzu: Erving Goffman: Wir alle spielen Theater: Die Selbstdarstellung im Alltag.München 2003.

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