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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
Entstehung
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Arbeitsorganisatorische und gewerbepolitische Veränderungen nahmenFleischer als dramatische Verschlechterungen wahr, sodass Nostalgie als Aus-druck der wachsenden Not die Erzählungen prägte. Das zeigt sich besonderseindrücklich an Nachrufen auf Kollegen, die sich das Leben nahmen: DieSelbstmorde von Angehörigen unseres Gewerbes vermehren sich in erschre-ckender Weise, und erst vor einigen Wochen las man, daß Kollege Orglmeistersich erhängte, daß zwei andere Kollegen in die Donau sprangen, und die Über-lebenden beneiden sie um ihren Mut, dem Elende mit einem Schlage ein Endezu machen" 14, schrieb die Wiener Fleischhauer- und Fleischselcher- Zeitung im Ja-nuar 1904. Und kaum einen Monat später wusste dieselbe Zeitung zu berichten,dass ,, Trauernachrichten, die von Selbstmorden, von vernichteten Existenzen,von geistigen Erkrankungen von Kollegen melden,[...] uns nachgerade nichtsneues mehr[ sind] und wenn eine derartige Kunde uns zugeht, so entlockt sieuns heute kaum mehr ein bedauerndes, Schon wieder Einer'!" 15

Veränderungen wurden als Bedrohungen wahrgenommen und artikulier-ten sich in Gefühlen. Hierbei ist quellenkritisch anzumerken, dass die WienerFleischhauer- und Fleischselcher- Zeitung das offizielle Presseorgan der Genossen-schaften der Fleischhauer und Fleischselcher Niederösterreichs darstellte. Zumeinen diente sie der Kommunikation nach innen. Zum anderen war sie Sprach-rohr und meinungsbildendes Medium wohlhabenderer Fleischer, die in der Ge-nossenschaftsvorstehung vertreten waren. Dieser Handwerkeradel- zum Teilfolgte der Sohn dem Vater in dessen Position nach- beschwörte immer wiederden vermeintlichen Niedergang des Gewerbes herauf und beklagte, das Arbei-ten sei früher solidarischer, handwerklicher und gesünder gewesen.

Inszenierung im öffentlichen Raum

In praxi gelang es dem Fleischerhandwerk jedoch in einer Zeit eines allgemei-nen gesellschaftlichen Pessimismus gegenüber wirtschaftsliberalen Program-men, der sich unter anderem in Gestalt der Handwerks- und Gewerbetagsbe-wegung zeigte und 1883 zur Einschränkung der Gewerbefreiheit führte, sichdie verändernden arbeitsorganisatorischen und gewerbepolitischen Bedingun-gen anzueignen und ein starkes Bewusstsein als soziale Gruppe innerhalb desgroßstädtischen Kosmos auszubilden. Die Genossenschaft kommunizierte ihrSelbstvertrauen und Selbstbewusstsein zum Beispiel über die Herausgabe ei-ner eigenen Festschrift, die das handwerkliche Fleischergewerbe als bürgerlich,kaisertreu und patriotisch inszenierte.16 Vor allem aber durch sein Auftretenim öffentlichen Raum inszenierte sich das Handwerk als eine im städtischen

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Kontraste. In: Wiener Fleischhauer- und Fleischselcher- Zeitung, 12. Jg., 22.1.1904, S. 1-2.Das letzte Kapitel. In: Wiener Fleischhauer- und Fleischselcher- Zeitung, 12. Jg., 16.2.1904,S. 3.

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