ausstellungen erwerben breite Bevölkerungskreise ethnografische Kenntnisse.,, Volksleben“ und„ Volkskultur“, Trachten und Regionen werden einem breitenPublikum gezeigt und erklärt. 49 Dieser Zugang zum historischen Leben aufdem Land findet für jene, die in den Städten leben, in einem, wenn man sowill ,, volksbilderischen Zeigeprozess statt. Daran sind vor allem Privatsammlerund Kunstgewerbemuseen maßgeblich beteiligt, die öffentlich agieren und soVorstellungen und Bilder evozieren. Die„ Stuben“, die auf Welt- und Gewerbe-ausstellungen gezeigt werden, bedienen Vorstellungen, schaffen einen Gefühls-und Erlebnisraum. Fühlen als allgemein menschliche und kulturelle Lebensäu-Berung ist dabei auch die Basis für die emotive Verbreitung von Wissen.
In einem solchen Spannungsfeld der Beobachtung bewegt sich auch das die-sem zunächst entgegengerichtet scheinende Interesse von Volkskundlern undSammlern im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Nostalgie im Sinne von Sehnsucht nach der vergangenen und besser ge-glaubten Zeit ist offenbar ein emotionaler Auslöser für das Sammeln und Pu-blizieren. Noch einmal sollte die vergangene Pracht einzelner Objekte, ihre Ma-terialverhaftetheit und Anmutung gezeigt und vor allem gewürdigt werden. Siesollte dar- und ausgestellt sein und das Publikum zum Staunen bringen. Dieshatten die Kunstgewerbesammlungen der Museen in Paris, München, Berlinund Wien stets erfüllt. Mit der Konzentration auf die bäuerlichen Artefaktewurde auch die Nostalgie, das Heimweh, als allgemeine Sehnsucht des Gegen-wartsmenschen, konstatiert. Von den Sammlern wurde sie subjektiviert undschließlich etwa in der Ostereiersammlung Adulf Goops objektiviert.
Für den Umgang mit Objekten der Volkskunst wurden unterschiedlicheMorphologien entwickelt,„ Mechanismen von Formentstehung und Formwan-del". 50 Darin lag das implizite Interesse der Forscher. Auch nach Bedeutungenund Verwendung der Objekte wurde gefragt.
Buch
Mit der, Erfindung der Liebesgabe'( indem Klaus Beitl ihr ein ganzeswidmete), rückte das Phänomen, Liebe' in den Mittelpunkt des Forscherwillens.Zugleich ist dies ein Angebot an den Leser, umso mehr, als es keine Morpho-logie der, Liebesgabe' gibt. Alles kann eine solche sein, wenn sie entsprechendbelegt ist. Womöglich bedarf es einer gewissen Form der Kennzeichnung, ei-nen von allen verstandenen Zeichencode( Herz, zwei miteinander verbundeneInitialen...). Es gibt jedoch keine letztlich festgelegte Form. Es ist allein diedahinterstehende, gewusste Praxis, die damals wie heute die, Liebesgabe' alssolche kenntlich macht.
Am Beispiel der Liebesgabe' lässt sich die Komplexität der Emotion als Ak-teurin in der volkskundlichen Forschung, Wissensgenerierung, Wissenschafts-
49 Vgl. Wörner( wie Anm. 34).
50 Vgl. TOC. Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik 2013, Band 9, 2: Morphologien,http://www.kulturtechnik.hu-berlin.de/content/dtb/bildwelten-des-wissens.
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