geschieht Jahre bevor Niklas Luhmann Liebe als symbolischen Code definiertwissen will, der„ darüber informiert, wie man in Fällen, wo dies eher unwahr-scheinlich ist, dennoch erfolgreich kommunizieren kann. Der Code ermutigt,entsprechende Gefühle zu bilden."" Die Dinge, die mit Emotionen verbundenwaren, wurden als Objekte mit Verweisfunktion wahrgenommen, nur selten je-doch als tatsächliche Träger von Emotionen, selbst wenn sie solche auszulösenvermochten.
Dass Emotionen in allen Formen von Volkskunst und in allen Formen vonRitualen und Brauchhandlungen mitspielten, erkannten auch die Forscherdes 19. Jahrhunderts. Die Befrachtung der Dinge mit Gefühlen jedoch wurdeerst im späten 19. Jahrhundert thematisiert. So argumentierte auch FriedrichNietzsche in diese Richtung: Seiner Vorstellung nach haben die Dinge keineBeschaffenheit an sich, vielmehr kommt es zu einer„ Aufladung der Dinge mitGefühlen, die dann den Dingen selbst eigen zu sein scheinen.“ 18 Auf solcheIdeen aufbauend entwickelte Leopold Schmidt sein Konzept der Gestalt- undStoffheiligkeit( was etwa Votivgaben betraf). Und auch Karl- Sigismund KramersKonzept der Dingbedeutsamkeit beinhaltet die Aufladung der Dinge mit Emoti-onen, die sich einschreiben und dem Ding inhärent bleiben.19
Gefühl als Ding
Auf der Suche nach einschlägiger Literatur zu, Liebesgaben stieß ich auf einenArtikel von Leopold Kretzenbacher Vom roten Osterei in der grünen Steiermark –1956 im Schweizerischen Archiv für Volkskunde erschienen. Der Artikel kommtohne Bilder aus.20 Kretzenbacher beschreibt darin die Kulturgebärden, die mitdem roten Ei seit der Frühen Neuzeit in der Steiermark verbunden sind: ,, Manfärbte und verteilte die Ostereier als Gaben der Freundschaft und der Zunei-gung oder des Wohlwollens" 21. Sie fungieren als„ Gegenstand der österlichenKinderbescherung, Entlohnung für den Palmbuschenträger und als Minne-gabe der Liebenden oder jener, die durch ein Patenschafts- oder sonstiges aufNeigung und Dankbarkeit gegründetes Verhältnis verbunden sind".22 Kretzen-
17 Niklas Luhmann: Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Frankfurt a.M. 1994, S. 9.18 Bausinger( wie Anm. 16), S. 205.
19 Vgl. ebd., S. 201 f. sowie Gudrun M. König: Auf dem Rücken der Dinge. Materielle Kulturund Kulturwissenschaft. In: Kaspar Maase, Bernd Jürgen Warneken( Hg.): Unterweltender Kultur. Themen und Theorien der volkskundlichen Kulturwissenschaft. Köln, Weimar,Wien 2003, S. 95-118.
20 Leopold Kretzenbacher: Vom roten Osterei in der grünen Steiermark. In: SchweizerischesArchiv für Volkskunde 53, 1957, S. 104-109.
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Ebd., S. 105.
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