mationen auch die atmosphärischen und emotionalen Kontexte der Forschungund die laufende( Selbst-) Reflexion der Forscherperson. Solange sie nichtetwa zu dichten Beschreibungen ausgearbeitet werden, stellen sie private For-schungsräume der Forschenden außerhalb wissenschaftlicher Legitimations-zwänge dar.
Besonders wichtig ist es im Rahmen der Methodenlehre, Phasen der Ver-wirrung und Verunsicherung als notwendige, produktive Schwellensituationenjeder Feldforschung zu benennen und anzuerkennen. Zugleich sollte versuchtwerden, diesen Verunsicherungen in Lehrveranstaltungen und Sprechstundenoder aber in Tutorien ohne anwesende Lehrperson geschützte Räume zu Aus-tausch und Bewältigung zu geben.
Assoziatives Deuten und Interpretieren lehren
Ebenso wie das ethnografische Forschen im Feld sollten auch Interpretationund Reflexion geübt werden. Studierende aller Semester können zum gemein-samen, assoziativen Deuten angeregt werden, ohne dabei auf allzu persönlicheEbenen vorzustoßen. Stattdessen kann anhand ausgewählter Feldforschungs-texte geübt werden, etwa Szenen und Rollen, Zeit- und Raumbezüge, Narra-tionen und zentrale Objekte in Feldforschungsmaterialien wahrzunehmen,Schwellenereignisse und Brüche im Text sowie Irritationen und Emotionen,die das Material auslöst, als Schlüsselmomente festzuhalten und in Bezug zuihren Kontexten zu deuten. Ähnlich wie in der Deutungswerkstatt können auchin Seminargruppen unterschiedliche Perspektiven auf Feldforschungserfah-rungen artikuliert werden und im triangulierenden Abgleich deutungsrelevantwerden; dabei helfen ein semiotischer Ansatz oder etwa auch die Orientierungan den Prinzipien der multi- sited ethnography", persönliche oder psychologisie-rende Tiefgänge abzuwehren, die in der hierarchischen Öffentlichkeit des Lehr-betriebs nicht bewältigt werden könnten. Und warum sollte nicht die Lehrper-son ihre Erfahrungen von Feldforschung, Deutung und Textualisierung mit denStudierenden teilen und auch einmal eigene Forschungstexte als Übungsmate-
rial öffnen?
47 Vgl. u.a. George Marcus: Ethnography in/ of the World System: The Emergence of Multi- Si-ted Ethnography. In: Annual Review of Anthropology 24, 1995, S. 95-177; Katharina Eisch:Erkundungen und Zugänge I: Feldforschung. Wie man zu Material kommt. In: Klara Löffler( Hg.): Dazwischen. Zur Spezifik der Empirien in der Volkskunde. Hochschultagung derDeutschen Gesellschaft für Volkskunde in Wien 1998(= Veröffentlichungen des Instituts fürEuropäische Ethnologie der Universität Wien, 20). Wien 2001, S. 27-46.
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