cken, die solchermaßen auch zu identitären Erlebnisträgern werden können.36Exemplarisch illustriert das Beheimatungspotenzial von bestimmten Speiseneine dänische Teilnehmerin an Hartmanns Schreibaufruf:
Ein für Dänen typischer Brotaufstrich zum„ Frokost", zur kalten Küche also,die es mittags gibt, ist der Makrelensalat.[...] Schon allein wegen der idyl-lischen Stimmung erinnere ich mich an eine Schlittenfahrt, immer wennich in ein Makrelensalatbrötchen beiße. Da sind Wirbel von Schneeflocken,Schnee, der unsere Gesichter rot werden lässt, klirrende Kälte, kaltgefro-rene Hände und vor allem, trotz eisiger Zehen, immer viel Lachen. Rauchkommt aus fast jedem Schornstein der weißen Dächer. Außerdem ist da derlustige Anblick meiner Freundin, deren Mütze schief auf ihrem Kopf sitzt.Dazu kommt noch das Hungergefühl, das wir schließlich mit Makrelensalatstillten. Diese Assoziationen reihen sich wie ein„, Flash Back" in meinemKopf aneinander.[...] jedes mal, wenn ich zu Hause bin, esse ich wie selbst-verständlich ein Makrelensalatbrötchen und träume vor mich hin. Es gibtmir ein Gefühl der Gemütlichkeit und Geborgenheit und nicht zuletzt einGefühl der Zugehörigkeit... 37
Gefühle in atmosphärischer Orientierung
Mit dem Blick auf Atmosphären betreten wir einen Zwischenbereich: eine„ Ka-tegorie, in der Objekt und Subjekt differenziert zusammenkommen." 38 Atmo-sphären sind sowohl im Subjekt wie im Objekt situierte Größen. Sie beziehensich auf Objekte und Phänomene – sowie auf die Situationen, denen diese Ob-jekte und Phänomene angehören. In der subjektiven Wahrnehmungsweise undErlebniswirklichkeit entstehen so sinnliche Gesamteindrücke, die das Resultateiner sinnlich- leiblichen Wahrnehmungsweise darstellen.39
36 Vgl. Andreas Hartmann: Zungenglück und Gaumenqualen. Geschmackserinnerungen.München 1994.
37 Ebd., S. 126 f.
38 Jürgen Hasse: Ästhetik im Spannungsprozess von NaturDenken und NaturErleben. Für einenanthropozentrischen Naturschutz. In: Ludwig Fischer( Hg.): Projektionsfläche Natur. ZumZusammenhang von Naturbildern und gesellschaftlichen Verhältnissen. Hamburg 2004,S. 44-59, Zitat 51.
39 Zur kultur- und sozialwissenschaftlichen Reflexion der Dimension des Atmosphärischensiehe exemplarisch: Kerstin Andermann, Undine Eberlein: Gefühle als Atmosphären. NeuePhänomenologie und philosophische Emotionstheorie. Berlin 2011; Beate Binder u.a.( Hg.):Orte- Situationen- Atmosphären. Kulturanalytische Skizzen. Frankfurt a.M. 2010; GernotBöhme: Atmosphäre. Essays zur neuen Ästhetik. Frankfurt a.M. 1995; ders.: Architekturund Atmosphäre. München u.a. 2006; Rainer Götz, Stefan Graupner( Hg.): Atmosphäre( n)Interdisziplinäre Annäherungen an einen unscharfen Begriff. München 2007; Hasse( wieAnm. 38); Albrecht Lehmann: Reden über Erfahrung. Kulturwissenschaftliche Bewusst-
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