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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
Entstehung
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die Verbindung der Geruchsempfindungen auslösenden Sinneseindrücke mitaffektuellen und emotionalen Haltungen behandelt.33

Mit Blick auf die Wechselwirkung von Gerüchen bzw. Geschmackserleb-nissen und Beheimatungsvorgängen dokumentieren die folgenden beiden Bei-spiele die Relevanz dieser Sinneseindrücke für die Ausprägungen emotionalerVerhältnisse.

Die Geruchsdimension nimmt beispielsweise bei dem Autor Florian Illieseine besondere Stellung ein. Die Erinnerung an einen bestimmten Geruchmacht ihn für seine sehnsüchtige Verbindung zum Herkunftsort und seinewohlige Vorfreude auf die Ankunft bei seinem Holzhaus verantwortlich: Lei-der duftet es nicht besonders gut, abgestanden und modrig eher, ein fieserSchwamm, der in den Tannen steckt, aus denen unser Fertighaus gebaut wur-de." Doch dieser Geruch ist markant in seiner positiv besetzten Weise, da erdas gelungene Familienleben zu repräsentieren vermag. Nur wenn man vonaußen komme, könne man den Geruch wahrnehmen für ein paar Sekunden,bevor man wieder eintaucht und Teil von ihm werde. Könnte man das Fensterim ICE öffnen, Ich glaube, man könnte unser Haus bis Kassel- Wilhelmshöheriechen".34

In gleicher Weise sind Geschmackserlebnisse in der Lage, sich mit positivenwie mit negativen Heimatgefühlen zu verbinden. Mehr noch als bei den Ge-rüchen spielt bei der Nahrungsaufnahme bekanntlich der direkte körperlicheKontakt, ja die orale Einverleibung als Akt der unmittelbaren, physiologischregistrierbaren Teilhabe an einem kulinarischen Bestandteil der Außenwelteine stark identitätsstiftende Rolle. 35 Der instruktive Band über Geschmackse-rinnerungen, von Andreas Hartmann herausgegeben, belegt eindrucksvoll diementalen und emotionalen Anknüpfungspotenziale von Geschmackseindrü-

33 Vgl. Alain Corbin: Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs. Berlin 1984.Vgl. Annik Le Guérer: Die Macht der Gerüche. Eine Philosophie der Nase. Stuttgart 1992;Jacqueline Blanc- Mouchet( Dir.): Odeurs. Paris 1987; Constance Classen, David Howes,Anthony Synnott: Aroma. The Cultural History of Smell. London 2012.

34 Florian Illies: Ortsgespräch. München 2006, Zitat 25 f.

35 Siehe hierzu unter dem Aspekt von Nahrung und Identität: Hans Jürgen Teuteberg, GerhardNeumann, Alois Wierlacher( Hg.): Essen und kulturelle Identität. Europäische Perspektiven.Berlin 1997; Helene Karmasin: Die geheime Botschaft unserer Speisen. Was Essen überuns aussagt. München 1999.- Zum Aspekt Nahrung und Regionalstil: Konrad Köstlin: DieRevitalisierung regionaler Kost. In: Niilo Valonen, Juhani U. E. Lehtonen( Red.): Ethnologi-sche Nahrungsforschung. Vorträge des 2. Internationalen Symposions für ethnologische Nah-rungsforschung im August 1973 in Helsinki. Helsinki 1975, S. 159-166; ders.: Heimat gehtdurch den Magen. Oder: das Maultaschensyndrom- Soul- Food in der Moderne. In: Beiträgezur Volkskunde in Baden- Württemberg 4, 1991, S. 147-164; Claus- Dieter Rath: Regionale undtransnationale Kost. In: Ders.: Reste der Tafelrunde. Das Abenteuer der Esskultur. Reinbekbei Hamburg 1984, S. 229-248; Bernhard Tschofen: Herkunft als Ereignis: local food andglobal knowledge. Notizen zu den Möglichkeiten einer Nahrungsforschung im Zeitalter desInternet. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LIV/ 103, 2000, S. 309-324.

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