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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
Entstehung
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heimatlosen Ausgeschlossen- Seins, des sozialen An- den- Rand- Gedrängt- Seinsdurchlebt haben und durchleben. Sie sind durch Familienkatastrophen undKindheitstraumen, Lebenskrisen, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Obdachlosig-keit aus den Geleisen des bürgerlichen Lebens herausgetreten. Die SalzburgerStraßenzeitung Apropos hat im Jahr 2010 die authentischen Stellungnahmensolcher Menschen zum Thema Heimat in eine Publikation unter dem Titel Denkich an Heimat gebracht. 14 Darin findet sich, neben Reflexionen, die sich als be-wusst gewähltes Ausweichverhalten gegenüber der Aufgabe, Heimat zu thema-tisieren, interpretieren lassen, auch ein regelrechtes Abwehrverhalten gegen-über dem Heimatdiskurs. Der ohne Berufsausbildung lebende Bruno Schnabler(* 1959 in Niederösterreich) bringt in seinem Statement zu Heimat seine tiefeinnere Verletzung zum Ausdruck:

Heimweh? Kenne ich nicht. Heimweh bedeutet ja, dass man sich so sehrnach der Heimat sehnt, dass es wehtut. Mir hat vieles im Leben wehgetan.Da brauch ich nicht auch noch Heimweh![...] Heimat ist für mich nichtunbedingt der Ort, wo ich geboren bin, nicht die Gegend, in der ich meineKindheit und Jugend verbracht habe. Ich war dort eine Zeit lang behei-matet". Das ist alles.[...] Mein Heimatgefühl ist nicht an einen festen Ortgebunden.[...] Unterwegs sein ist wichtiger als ankommen.[...] Was dieZukunft bringt, wo es mich noch hin verschlägt in meinem Leben, weiß ichnicht. Das liegt in der Ferne. Ich habe auch kein Fernweh. Ich bin aber über-zeugt, dass sich dort, wo auch immer ich lande, Heimatgefühl einstellenkann. Irgendwo unterwegs. Es liegt nur an mir./ Heimat ist dort, wo gerademein Herz ist. Aber jetzt muss ich weitergehen. 15

Andererseits beschreiten die Reflexionen aus dem Milieu der sozial Prekärenim Gegensatz zur Inklusion auf Heimatliches die Öffnung zur Welt. Diese trägtmitunter einen Anklang an den Gestus des Weltbürgertums und findet sichauch eingekleidet in die Parabel des Reitens und des Fliegens. So etwa bei dergelernten Hauswirtschafterin Sonja Stockhammer(* 1970 in Ostermiething),die das Thema Heimat auf dem Rücken der Pferde"( Titel ihrer Geschichte) inemotional gestimmten Bildern des Aufbruchs und des Unterwegs- Seins behan-delt:

Heute früh stand ein Pferd vor meiner Tür. Da schaute ich ziemlich ver-dutzt.[...] Ich liebe Pferde, seit ich denken kann. Ich bin ja mit Pferdenaufgewachsen. Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde".

14 Straßenzeitung Apropos, Soziale Arbeit GmbH( Hg.): Denk ich an Heimat. Ein Straßenbuchvon APROPOS, Salzburg 2010.

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Ebd., S. 80-85, hier S. 82. Weitere Beispiele ebd., S. 26-33 und S. 102-109.

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