Druckschrift 
Auf der Bühne früher Wissenschaft : aus der Geschichte des Vereins für Volkskunde
(1894 - 1945)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

168

Konsolidierungen

epistemische Halbdunkel des Hobby- und Laienforschers abzudriftenund zweifellos ist ja unser„ Dr. med. et. phil.", der die Medizin nie aus-geübt hat und in seinen ethnographischen Arbeiten zuweilen rein reise-beschreibend bleibt, in vielem ein dilettierender 329 Grenzgänger derDisziplinen.

Was so von Rudolf Trebitsch vor allem auf uns gekommen ist undbleibt, das sind all die Exponate und Sammlungen, die er auf seinenReisen nach Irland, Wales, Schottland oder in die Bretagne zusammen-getragen und„ in freigebiger Munifizenz“ dem Museum für die Anlage„ einer überaus erwünschten vergleichenden europäischen Typen-sammlung volkskundlicher Art" vermacht hat. Was nicht gebliebenist, ist die„, bronzene Gedenktafel“ mit dem Bild des„ unglücklichenSammlers und Forschers", die man in den 20er Jahren„ ,, im Hof des

330

329 Dieses Wort soll hier allerdings mehr in etymologischer und also positiver Konnotationgenommen werden, wie sie etwa der Brockhaus anno 1819 verwendet, der den„, Dilettanten"als ,, Liebhaber von Kunst und Wissenschaft" definiert, wie er„ der Meister- und Kennerschaftentgegengesetzt[ ist], obgleich er diese oft an Wärme übertrifft." Zit. nach Andreas Schulz:Der Künstler im Bürger. Dilettanten im 19. Jahrhundert. In: Dieter Hein, Andreas Schulz( Hg.): Bürgerkultur im 19. Jahrhundert. Bildung, Kunst und Lebenswelt. München 1996, S.34-52, S. 35. Zu der das Fach von seinen Anfängen an begleitenden„ Dilettantismus-Diskussion" s. Deißner( wie Anm. 325), S. 149-153. Das Problem, vor dem man generell und soauch im Wiener Volkskundeverein stand, ergab sich demnach aus der anfänglichen,, Arbeitsteilung zwischen Sammlern und Interpreten von Volkskultur"( Deißner, S. 153)-eine Arbeitsteilung, wie wir sie etwa bei dem mit„ einem ethnologischen Anhang von MichaelHaberlandt" versehenen Bericht Rudolf Trebitschs über seine„ Sommerreise" nach West-grönland( wie Anm. 319) dokumentiert finden.

330 Mitteilungen aus dem Verein und k. k. Museum für österreichische Volkskunde. In:Zeitschrift für österreichische Volkskunde 17, 1911, S. 235. Die Bestände sind im weiterenauch publizistisch ausgewertet worden von Arthur Haberlandt: Beiträge zur bretonischenSammlung des k.k. Museums für österreichische Volkskunde in Wien. Wien 1912.Erwähnenswert ist auch eine„ Sonderausstellung der großen ethnographischen Sammlung ausdem Baskenlande, die Herr Dr. Rudolf Trebitsch in persönlicher mehrmonatlicher Bemühungan Ort und Stelle zusammengebracht und dem k.k. Museum für österreichische Volkskundegewidmet hat.[...] Die bedeutenden Sammlungseinläufe wurden vom Kustos Dr. A.Haberlandt unter Beihilfe von Fräulein E. Goldstern und Fräulein M. Schmidl ordnungsgemäßgebucht und magaziniert."( Mitteilungen aus dem Verein und dem k.k. Museum fürÖsterreichische Volkskunde. In: ZföV 19, 1913, S. 259.)- Trebitsch brachte von allen seinenReisen aber auch weiteres Material, vor allem phonographische Aufnahmen mit, von denenauch andere Institutionen profitierten; siehe die CD- Edition des Phonogrammarchivs derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften: Gerda Lechleitner( ed.): The Collections ofRudolf Trebitsch(= The Complete Historical Collections 1899-1950, Series 5/ 1-3). Wien2003.