Druckschrift 
Auf der Bühne früher Wissenschaft : aus der Geschichte des Vereins für Volkskunde
(1894 - 1945)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Konsolidierungen

95

Entwicklung, den Hausfleiß, ins Auge[ fasst]". 22 Und dieses Volks-kunst- Modell" hat die Sammlungsprogrammatik Michael Haberlandts( und damit des Vereins) im weiteren nachhaltig bestimmt, nicht zuletztdeshalb, weil es bei aller kritischer Distanz" auch den Weg zur,, ästhetischen Aktivierung 23 freigab eine Aktivierung, die allerdingsauch das Potential der für den Gegenwartsbezug des Historismuszentralen Motivationsbereiche der Identität und der Integration[ undPartizipation]" enthielt24. Wobei( um B. Deneke weiter zu bemühen)erstere Intention auf einen vor allem national- identifikatorischwirkenden Umgang mit volkstümlichen Formen- und Dekorations-elementen" zielt, deren Fortführung oder Wiederbelebung angeblichautochthone, nationale Kunstübung[ sichert]" 25; während Integrationund Partizipation diese angeblich volkstümlichen Gestaltungen nichtzuletzt insofern[ gewährten], als ihre Wiederverwendung dazubeitragen konnte, breiteren Bevölkerungsschichten Zugang zu Er-scheinungsformen des Künstlerischen zu verschaffen, weil ihre vonfremdländischem oder historisch- gelehrtem Beiwerk der damaligen Stil-kunst[...] freie Beschaffenheit der Mentalität der einfachen Leute ver-meintlich entsprach".26 Anklänge an beides findet sich jedenfalls inMichael Haberlandts einleitenden Bemerkungen zu seiner 1911 gegrün-deten Zeitschrift ,, Werke der Volkskunst 27: Die Bodenständigkeit und

22 Alois Riegl: Volkskunst, Hausfleiss und Hausindustrie(= Kunstwissenschaftliche Studien-texte 6). Mittenwald 1978( Erstauflage Berlin 1894), S. 8. Hausfleiß im engsten und ur-sprünglichsten Sinne des Wortes nennen wir diejenige Art menschlicher Güterproduktion, beiwelcher Alles, wessen der Mensch zur Lebensführung bedarf, von ihm selbst und seinenFamiliengenossen bereitet, Nichts von Anderen eingetauscht oder gekauft wird.( ebda.)23 Korff( wie Anm. 21), S. 384 und 385. Riegls Büchlein ist also, ob man will oder nicht, derAnfang der Volkskunst als ästhetischer Konfiguration; mit Riegl beginnt die Volkskunst-Begriff wie Sache-, eine Rolle im ästhetischen, politischen und wissenschaftlichen Diskurszu spielen."( ebda. S. 384).

24 Bernward Deneke: Volkskunst. Leistungen und Defizite eines Begriffs. In: Jahrbuch fürVolkskunde 1992, S. 7-21, S. 9.

25 Ebda. S. auch Bernward Deneke: Volkskunst und nationale Identität 1870-1914. In: HerbertNikitsch, Bernhard Tschofen( Hg.): Volkskunst. Referate der Österreichischen Volkskunde-tagung 1995 in Wien(= Buchreihe der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde 14). Wien1997, S. 13-38.

26 Deneke( wie Anm. 24), S. 9 f.

27 Von der großformatigen Zeitschrift Werke der Volkskunst"( Wien 1911-1917) sind nurdrei Bände erschienen,, als vierter war die Monographie von Arthur Haberlandt, Volkskunstder Balkanländer geplant, die nach dem Zusammenbruch der Monarchie dann als eigenes