Print 
Auf der Bühne früher Wissenschaft : aus der Geschichte des Vereins für Volkskunde
(1894 - 1945)
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 
  

78

Gründerjahre

Mittheilung von der Versammlung stehend angehört❝273. Immerhinwar ja damit ein Schachzug gelungen, der sich weit über zu erwartendefallweise Zuwendungen des Erzherzogs hinaus als rentabel zu erweisenversprach. Denn unabhängig von dem wohl, wie üblich, bloßnominellen Interesse Ludwig Victors( wie auch von dessen Ruf)bedeutete der klingende Name eines Mitgliedes des Kaiserhauses fürden Verein kein geringes symbolisches Kapital, von dem man wohl mitRecht hoffen konnte, dass es sich bei der einen oder anderen Gelegen-heit in ein pekuniäres umsetzen ließ. Wobei in Parenthese angemerktwerden kann, dass das Vereinsprotektoratswesen, das als relativ späterSeitentrieb in die große historische Linie adeligen Mäzenatentumseinzureihen ist, durchaus auch als ein beiden Seiten dienendes Tausch-geschäft- bei dem, wie gesagt, so mancher Protektor oft kaum mehr alsseinen Namen gab²74 zu sehen und mäzenatisches Wirken von An-fang an auch ,, sichtbares Ausdrucksmittel adligen Standesbewußtseins"gewesen ist.

275

Von einem über die eine oder andere Geld- und Sachspendehinausgehenden persönlichen Einsatz konnte bei Ludwig Viktor freilichnicht die Rede sein. Wohl auch, weil er bereits ab 1866 vorrangig inSchloss Kleẞheim bei Salzburg residierte, beschränkte sich seinephysische Präsenz auf einige wenige Besuche notiert in den Annalenist, neben einem Besuch des neu eröffneten Museums in der Börse anno1897276, etwa eine am 8. Juni 1900 erfolgte Besichtigung der neuenSchausammlung Und zudem spielte der jüngste Bruder Kaiser FranzJosephs, vom kurzfristig gehegten Plan seines Bruders Maximilian, ihn

277

273 Vereinsnachrichten, ZföV 1, 1895, S. 62. Erzherzog Ludwig Victor hatte das vomAusschusse des zu bildenden Vereines für österreichische Volkskunde erbetene Protectorat"-auf Intervention von Bertha Gräfin Kuenburg- Stolberg, die in der Mitgliederliste 1895 unterder Beitrittsnummer 271 als Sternkreuz- Ordens- Dame, Aigen bei Salzburg" firmiert- perDekret vom 26. 12. 1894, Nr. 504, übernommen und dem Verein in einer Zuschrift seinesObersthofmeisters Baron Franz Freiherr von Wimpffen mitgeteilt, Vereinsnachrichten. In:ZföV 1, 1895, S. 29.

274 Kronprinz Rudolf etwa dürfte in dieser Hinsicht eine der wenigen Ausnahmen gewesensein, vgl. etwa Brigitte Hamann: Rudolf. Kronprinz und Rebell. München 1999, S. 253 f.275 Vgl. dazu Hannes Stekl: Österreichs Aristokratie im Vormärz. Herrschaftsstil undLebensformen der Fürstenhäuser Liechtenstein und Schwarzenberg. Wien 1973, S. 207.

276 ZföV 3, 1897, S. 22.

277 ZföV 6, 1900, S. 95.