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Auf der Bühne früher Wissenschaft : aus der Geschichte des Vereins für Volkskunde
(1894 - 1945)
Entstehung
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Gründerjahre

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Was dieses gesellschaftlich- biographische Umfeld des Vereins an-langt, ist gern und zumindest auf den ersten Blick zu Recht von einer Honoratiorengesellschaft 192 die Rede. Tatsächlich tritt uns in denMitgliederlisten 193 der ersten Jahre die, wie damals( noch jenseitsheutiger Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes) üblich, auch Berufund Wohnort der Mitglieder verzeichnen deutlich das ,, feudalisierteGroßbürgertum der franzisko- josephinischen Epoche entgegen'jenes Konglomerat aus Hochbürokratie, Bildungsbürger- und Unter-nehmertum, das in Wirtschaft, Kultur, Verwaltung und Politik Cis-leithaniens unbestritten die führende Position innehatte". Doch wennsich auch beispielsweise im Dezember 1895, ein Jahr nach der konstitu-ierenden Sitzung im Alten Wiener Rathaus, unter den 944 Mitgliederndes Vereins so manche illustre Persönlichkeit aus dem politisch- büro-kratischen, unternehmerischen und wissenschaftlich- universitären Um-feld findet- wobei im übrigen auch hier nicht geringe ökonomische undkulturelle Abstufungen zu berücksichtigen sind¹-, so rekrutierten sichdie Interessenten ebenso, wenn auch zu geringeren Anteilen, aus anderengesellschaftlichen Schichten.

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Die Geistlichkeit beispielsweise ist mit immerhin 54 Personen ver-treten und das nicht nur quer durch die kirchliche Hierarchie, es warauch eine gewissen konfessionelle Bandbreite gegeben, und so findetsich im Mitgliederverzeichnis etwa der griech.- orient. Pfarrer, Schrift-steller Dan Demeter aus Luźan in der Bukowina neben Dr. ErnstHauswirth, seines Zeichens Herrenhausmitglied und Abt des

192 Johler 1995( wie Anm. 5), S. 85.

193 In unregelmäßiger Folge bis 1916( später noch einmal 1928) in den Jahresberichten" desVereins( und Museums) für österreichische Volkskunde publiziert.

19+ Die Präsenz des hohen Adels fällt dagegen kaum ins Gewicht und beschränkt sichvornehmlich auf das Protectorat, für das von Dezember 1894 bis 1907 der Erzherzog LudwigVictor, hierauf Thronfolger Franz Ferdinand und 1917/18 Kaiser Karl I. gewonnen werdenkonnten.( In der Ersten Republik war es dann Bundespräsident Michael Hainisch, der denEhrenschutz des Vereins übernommen hat.)

195 Peter Urbanitsch: Die Deutschen in Österreich. Statistisch- deskriptiver Überblick. In:Adam Wandruszka und Peter Urbanitsch( Hg.): Die Habsburgermonarchie 1848-1918, BandIII: Die Völker des Reiches, 1. Teilband. Wien 1980, S. 33-153, s. S. 149-153.

196 Siehe dazu etwa die differenzierende Darstellung bei Maria Wakounig: Konsumverhaltendes Wiener Bürgertums im 19. und 20. Jahrhundert. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichteder Stadt Wien 44/45, 1989, S. 154-186.