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Gründerjahre
suchen. Und ganz im Einklang mit dieser offiziellen( vielvölker)-staatserhaltenden Leitlinie machten sich auch die Wiener Vereins-proponenten„, von selbst und nothgedrungen[...] die vergleichende Er-forschung und Darstellung“ jener„ bunte[ n] Fülle von Völkerstämmen,welche wie in einem Auszug die ethnographische MannigfaltigkeitEuropas repräsentiert“ zur Aufgabe und gaben somit der österrei-chischen Volkskunde eo ipso„ ein tieferes Entwicklungsprincip als dasder Nationalität[...] zur Richtschnur❝38.
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Mit diesem( oft zitierten) Credo hat denn auch seinerzeit dieVereinsleitung vor allem gegenüber der fördernden öffentlichen Handihre aufrechte patriotische Gesinnung unter Beweis zu stellen gesucht-zugleich allerdings auch den nationalpolitisch- hegemonialen Zug diesersich übernational gerierenden österreichischen Volkskundecamoufliert. Denn wie wir sehen werden, hat sich ja der Verein immerwieder in den Dienst tagespolitischer Aktualität gestellt; und vertratman bis in die Endphase der Monarchie jenen, patriotischen Staats-gedanken wie er während der franzisko- josephinischen Epoche vorallem im deutschsprachigen Raum ein( sich mit der Zeit immer stärkerdurchsetzendes und schließlich den Untergang des Habsburgerreichesbesiegelndes) Nationalbewusstsein dominiert hat40-, so folgte man imZuge und Gefolge der weiteren historischen Entwicklung bald ebenjenem, Entwicklungsprincip der Nationalität, das, wie wir ebenfallssehen werden, unter der Oberfläche offizieller Vereinspolitik doch stets
37 Kronprinz Rudolf: Einleitung. In: Die österreichisch- ungarische Monarchie in Wort undBild. Auf Anregung und unter Mitwirkung Seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit desdurchlauchtigsten Kronprinzen Erzherzog Rudolf.( 1. Band). Wien 1886, S. 5-17, S. 6. Auchder Hinweis auf jene„ Dringlichkeit“ ethnographischer Bestrebungen, auf die Haberlandt&Co. wenige Jahre später verweisen sollten, fehlt übrigens bei Rudolf nicht:„ Wir dürfen unsnicht verhehlen, dass gerade in Österreich- Ungarn die Ethnographie weit weniger gefördertwurde als in Deutschland, England und Frankreich und neuerlich auch in Rußland, obgleichwir jene Specialisten, welche dazu vollkommen geeignet wären, vielleicht in gleichem Maßebesitzen als andere Staaten."( ebda.)
38 Michael Haberlandt: Zum Beginn! In: ZföV 1, 1895, S. 1-3, S. I.
39 Reinhard Johler: Das nationale Erbe und die Nationalisierung von Kultur. Zum Beitrag derösterreichischen Volkskunde. In: András Krupa, Ernö Eperjessy, Gábor Barna( Red.): Treffenvon Kulturen- Konflikte von Kulturen. Vorträge der V. Internationalen EthnographischenKonferenz für Nationalitätenforschung Békéscsaba, 7-8-9. Oktober 1993. Békéscsaba,Budapest 1995, S. 476-484, S. 481.
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Ernst Bruckmüller: Die Entwicklung des Österreichbewußtseins. In: Robert Kriechbaumer( Hg.): Österreichische Nationalgeschichte nach 1945. Wien, Köln, Weimar 1998, S. 369-396.