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Auf der Bühne früher Wissenschaft : aus der Geschichte des Vereins für Volkskunde
(1894 - 1945)
Entstehung
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Gründerjahre

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jenseits aber auch innerhalb³ der Grenzen der österreichisch-ungarischen Monarchie den Wiener Proponenten als Argument für dieAktualität ihres Vorhabens dienen. Und seine Dringlichkeit" wirddenn auch in einem Mitte December" datierten Aufruf zum Eintritt inden Verein für österreichische Volkskunde" beschworen: ,, Während inanderen Ländern: Deutschland und Frankreich, in Russland, Schwedenund Norwegen die öffentliche Aufmerksamkeit längst in großartigemStile den volksthümlichen Gütern der Nationen zugewendet wird und inder Anlegung eigener Museen ihren Ausdruck gefunden hat, muss inunserem Vaterlande erst durch die Schaffung einer centralen Pflege-stelle für Erforschung und Darstellung unseres volksthümlichen Cultur-besitzes Vorsorge getroffen werden." 4

Angesprochen war damit die Gründungswelle von Gesellschaftenund Museen und somit auch der fachgeschichtliche Rahmen, in demkurz vor der Jahrhundertwende auf breiter internationaler Front eineWissenschaft- oder besser: ein Komplex von Wissenschaften- sich zuinstitutionalisieren begonnen hatte, deren Entstehung und weitere Ent-wicklung in den einzelnen Ländern jedoch bei aller zeitlichenKoinzidenz von durchaus unterschiedlichen fachinternen Erkenntnis-interessen und öffentlich- politischen Intentionen gelenkt war.

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3 Genannt sei etwa die 1889 in Budapest gegründete Ethnographischen Gesellschaft" oder diesechs Jahre später in Laibach/ Ljubljana und Lemberg/ Lvov gegründeten einschlägigenGesellschaften. Zu ersterer vgl. fürs erste Klaus Beitl: 100 Jahre Ungarische EthnographischeGesellschaft. In: ÖZV 44/93, 1990, S. 68-69; zu letzterer etwa Zygmunt Klodnicki: ACentenary of the Polish Ethnological Society. In: Lud 79, 1995, S. 9-19; Klaus Beitl: LembergWien und zurück. Die persönlichen und institutionellen Beziehungen zwischen derukrainischen und österreichischen Volkskunde auf dem Gebiet der regionalen Ethnographieim damaligen Kronland Galizien. In: ÖZV 51/100, 1997, S. 451-478.

Aufruf zum Eintritt in den Verein für österreichische Volkskunde. In: ZföV 1, 1895, S. 24-28, hier S. 24( samt Liste der 144 Unterzeichner); die weiteren 141 Unterzeichner der zweiteAuflage des Aufrufs sind abgedruckt in: ZföV 1, 1895, S. 91-94

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Vorüberlegungen zum Folgenden in Herbert Nikitsch: Eine centrale Pflegestelle unseresvolksthümlichen Culturbesitzes". Schlaglichter auf die Geschichte des Vereins für Volkskundein Wien. In: Ehrenamt und Leidenschaft. Vereine als gesellschaftliche Faktoren(= SalzburgerBeiträge zur Volkskunde 12). Salzburg 2002, S. 165-177.- Zum internationalen Kontext s.etwa Thomas Gerholm, Ulf Hannerz: The Shaping of National Anthropologies. In: Ethnos47/ 1-2, 1982, S. 5-35; Reinhard Johler: Das Ethnische als Forschungskonzept: Die öster-reichische Volkskunde im europäischen Vergleich. In: Klaus Beitl, Olaf Bockhorn( Hg.):Ethnologia Europaea. Plenarvorträge(= Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde derUniversität Wien 16/ II). Wien 1995, S. 69-101.