Leute, die sich etwas Komfort leisten konnten. Im deutschen Sprach-raum geht man von 30000 Burgen und Schlössern aus. Zieht man diefrüh- und hochmittelalterlichen Bauten und die Schlösser nach 1648einmal ab, so dürften noch gut 10000 übrig bleiben. Ein Ofen proBurg kann wohl das Minimum gewesen sein. Dann kommt noch dieZahl der Verwaltungssitze hinzu: Kellereien, Vogthäuser oder wie mandiese Dienststellen nennen mag. Auch die Pfarrer konnten in ihrenHäusern auf einen gewissen Komfort verweisen und mit ihnen die Prä-laten in den geistlichen Institutionen. Reiche Bauern, Schöffen undnatürlich die Töpfer selbst kann man ebenfalls hinzunehmen. In denStädten dürfte die Zahl der Kachelofenbesitzer recht hoch gewesensein. Ein Ofen pro Haus ist hier durchaus realistisch. Wer jetzt eineEndzahl von mir erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Ich kannmir jedoch eine Ofenanzahl von 100 000 gut vorstellen, die mit 50 zumultiplizieren ist, um eine Zahl für das Kachelvolumen zu nennen. DieGrößenordnung geht auch nur von einem Ofen über mehrere Jahrhun-derte hinweg aus; Reparaturleistungen, komplette Umsetzungen,Modernisierungen, zusätzliche Errichtungen sind hier nicht inbegrif-fen. Wir haben es daher mit einem enormen Wachstumsmarkt zu tun,in dem es sich lohnte, Kacheln aller Preissegmente anzubieten. Dassdieser Markt umkämpft war, sieht man an der Motivzahl. Was damalsden Käufern zur Freunde gereichen sollte, wird uns heutzutage oft zurQual. Quälend sind aber noch ganz andere Faktoren.
Die größte Schwierigkeit ist, aus der Vielfalt des Fundmaterials, ausder oft breiten Streuung Aussagen zum Produktionsort zu machen.Dabei sind die Umstände bei Bodenfunden recht wichtig. Allein dieFeststellung, ob das Material aus einer Verfüllung stammt oder auseinem Abwurf kann uns neue Aspekte eröffnen.
Die Rückseite³ der Kacheln ist genau so relevant wie die Schauseite;dies gilt auch für die Model. Da gibt einmal die Verwendung von Sack-leinen oder eben das Fehlen entsprechender Spuren Hinweise auf dieeiner bestimmten Werkstatt zuzuweisenden Technik. Der angesetzteKasten, besonders die Art und Weise der Verschmierung mit dem Rah-sind ebenfalls werkstattspezifische Komponenten. Und da ist
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3 Dass die Rückseiten konsequent abgebildet werden, gibt es meiner Kenntnis nach erst-malig bei Stäheli, Cornelia: Kacheln, Model und Modelle. Ofenkeramische Abfälle des15./16. Jahrhunderts aus Diessenhofen TG. Zeitschr. f. Schweizerische Archäologie undKunstgeschichte 59( 2002), S. 333-356. In manchen Fällen wären aber Profilschnitteaussagefähiger.
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