Druckschrift 
Keramik als Zeichen regionaler Identität : Beiträge des 36. Internationalen Hafnerei-Symposiums des Arbeitskreises für Keramikforschung vom 21. bis 26.9.2003 in Kittsee
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

der Balkenkonstruktion. Die als repräsentativ erachteten größerenGefäß- und Kachelbruchstücke wurden geborgen und dem Museumvon Mautern übergeben.

In Anbetracht des noch geringen Kenntnisstandes über die neuzeit-liche Keramik in Niederösterreich ist die Bergung des Werkstattabfal-les und dessen Datierungsrahmen durch die auf dem Haus von 1558 bis1685 nachgewiesene Hafnergerechtigkeit( s. Anhang) als Glücksfall zubetrachten. In der Mauterner Häuserchronik ist im Jahr 1558 ThomanAngermair als erster Hafner archivalisch nachgewiesen. Bereits 1562wird seine Frau Barbara als Witwe bezeichnet, 1566 war sie mit GeorgRath verheiratet, 1574 ist sie wieder Witwe. 1575 erscheint ihr dritterund wahrscheinlich letzter Ehemann, Leonhard Widenpöckh, in denArchivalien. Der nächste Hausbesitzer, Thoman Traunstainer, hattesich wegen hoher Schulden nach Ungarn abgesetzt, worauf das Hausvom Magistrat der Stadt Mautern eingezogen und zur Tilgung derSchulden noch vor 1595 an Wolff Merz verkauft wurde. Seine FrauCatharina wird 1597 als Witwe bezeichnet, 1600 ist sie mit CasparKhüenast verheiratet, vor 1610 ist sie wieder Witwe und wird am4. 1. 1610 als Frau des Marx Weninger genannt. Bis 1645 werden eineReihe weiterer Hafner erwähnt, bis die Gemeinde der Stadt Mauterndas Haus wegen ,, Verödung" abbrechen und wieder aufbauen ließ. Alserster Besitzer nach dem Wiederaufbau ist 1652 Georg Schwaighofermit seiner Frau Anna archivalisch belegt. Noch im gleichen Jahr stirbtdieser, und seine Witwe heiratet 1653 Matthias Winerl. 1657 ist siewieder Witwe und hat sich 1658 fürs dritte mahl... in eheliche ver-sorgung mit Matthias Sommer eingelasßen um der durch die hoheVerschuldung ihres zweiten Ehemannes drohenden Krida zu entgehen.1666 ist sie zum dritten Mal Witwe. Ihr vierter und letzter EhemannZacharias Wunderlich überlebt sie und ist 1669 Witwer. Im gleichenJahr heiratet er eine Frau ebenfalls mit Namen Anna, die zehn Jahrespäter Witwe wird und noch im gleichen oder im darauffolgenden Jahrden letzten Hafner auf dem Anwesen, Hans Georg Pesterle, heiratet.1685 verkauft das Ehepaar das Haus und führt das Hafnergewerbe inder St. Pöltner Straße Nr. 7 weiter.

Aus den Quellen sind somit nicht nur die Namen der einzelnenMeister zu entnehmen, es lässt sich auch die Weiterführung der Werk-statt durch Witwen eindrucksvoll belegen. Frau Barbara, von 1558 bis1575 nachgewiesen, hat in 17 Jahren drei Ehemänner, Catharina in derZeit vor 1595 bis nach 1610 in 15 Jahren ebenfalls drei Ehemänner undAnna zwischen 1652 und 1669, also in 17 Jahren, vier Ehemänner.

28