ters, dass vor allem ärmere Kirchen Gerätschaften aus Keramik ver-wendeten.50 Diese Annahme passt zu unserem Aquamanile, das ja ausdem Milieu eines Bettelordens stammt. Sabine Felgenhauer vertritt dieIdee, dass man bei keramischen Aquamanilen aus dem kirchlichen/ klös-terlichen Bereich weniger an eine Verwendung in der Liturgie denken,sondern vielmehr- wie im profanen Bereich- eine Nutzung zum Hän-dewaschen bei Tisch in Betracht ziehen sollte.51
Die Zuordnung einzelner Objekte in den profanen oder liturgischenBereich allein durch die Motivik ist nicht möglich, sondern kann nurdurch den Fundzusammenhang erfolgen. Nach Michael Hütt dientendiese Kleinplastiken im profanen Bereich der Selbstdarstellung ihrerBenutzer.53 Häufige Motive für Aquamanilen sowohl aus Metall alsauch Keramik sind hier vor allem Pferde mit voll gerüstetem, kampf-bereitem Reiter54 sowie Tiere, die auch in der Heraldik Verwendungfanden, wie Löwe 55 oder Hirsch, weiters Haustiere wie Widder57,Hund oder Pferd". Daneben kommen Fabeltiere60 wie Greif und Dra-che61 vor. Im liturgischen Bereich geben neben spärlichen Bodenfundenkirchliche Schatzverzeichnisse Auskunft über die Motivik der dort ver-wendeten Aquamanilen: Auch hier dominieren Löwen; es folgen Dra-chen, Greife, Hähne, Hirsche und Tauben sowie menschliche Figuren.62Unser hier vorliegendes Igel- Aquamanile aus der Latrine im WienerAugustinerturm passt in keine der üblichen Motivgruppen. Allerdingsist das Igelmotiv bereits in Zusammenhang mit anderen keramischenWarenarten bzw. Formen bekannt.63 Josef Horschik publizierte einigeIgelgefäße aus Waldenburger Steinzeug, welche er in die erste Hälftebzw. in die Mitte des 16. Jahrhunderts datierte und die unter anderem
50 Vgl. Kasten 1976, S. 432; Gross 1991, S. 111.
51 Vgl. Felgenhauer- Schmiedt 1993, S. 137.
52 Vgl. Hütt 1993, S. 11 f.; Kasten 1976, S. 430.
53 Vgl. Hütt 1993, S. 225.
54 Vgl. Keramische Bodenfunde o. J., S. 103; Die Ritter 1990, S. 278; Angerer 1995,S. 122.
55 Vgl. Hütt 1993, S. 55 ff.; Angerer 1995, S. 124.
56 Vgl. Müller 1997, S. 205 ff.
57 Vgl. Scholkmann 1989, S. 679 ff.
58 Vgl. Keramische Bodenfunde o. J., S. 103.
59 Vgl. Hütt 1993, S. 75; Kasten 1976, S. 390 f.
60 Vgl. Keramische Bodenfunde o. J., S. 101; Grewenig 1994, S. 92.
61 Vgl. Hütt 1993, S. 73 f.
62 Vgl. Hütt 1993, S. 80 f.
63 Ich danke Werner Endres für diesen Hinweis.
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