Druckschrift 
Studien zum griechischen Volkslied
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

Kapitel 1

TOD UND JENSEITS IM VOLKSLIEDUnter besonderer Berücksichtigung der

griechischen Tradition

Mit dem Innewerden der Tatsache des Todes als unabdingbarem Faktum allesLebens beginnt eigentlich das menschliche Denken'. Das Rätsel des Über-gangs von der Existenz zur Inexistenz ist freilich auch heute noch wesentlich,, undenkbar", das Verschwinden des Ego², so mühsam zwischen Über- Ichund Es emporgewachsen³, und sein Aufgehen in einem kosmozentrischenSelbst nicht begreifbar. So wird das physische Ende des Seins selbstmetaphysisch( und damit ritualisiert) 6, obwohl in allen Kulturen auch

1 Vgl. die Grundkonzeption von Heideggers frühem Denken: M. Heidegger, Sein und Zeit.Tübingen 1972( 12. Aufl., erste Aufl. 1927).

2 Z.B. A. Hahn, Einstellungen zum Tod und ihre soziale Bedingtheit. Stuttgart 1968. Der Todstellt eine massive Bedrohung des Einzelnen und der Gruppe dar. Aus dieser ,, Undenkbar-keit" erwachsen die ,, Auferstehungshoffnungen", Konzeptionen wie Metempsychose usw.3 Diesen Gedanken formuliert Freud folgendermaßen: ,, Für die Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitiven wäre die Fort-dauer des Lebens- die Unsterblichkeit- das Selbstverständliche. Die Vorstellung desTodes ist etwas spät und nur zögernd Rezipiertes, sie ist ja für uns noch inhaltsleer undunvollziehbar"( S. Freud, Totem und Tabu. Frankfurt 1956, S. 87).

4 Zur Konzeption des ,, Selbst" als nicht mehr ego- zentrische Weltbezogenheit der mensch-lichen Psyche im fortgeschrittenen Alter vgl. S. Erikson, Identität und Lebenszyklus.Frankfurt 1974.

5 Damit wird Tod und Jenseits Gegenstand der Religion und Religionsphilosophie. Diebezüglichen Studien sind hauptsächlich christlich- historisch orientiert. In Auswahl: J.Choron, Der Tod im abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag  abendländischen Denken. Stuttgart 1967; J. A. Fischer, Studien zumTodesgedanken in der alten Kirche. Münster 1954; L. Wächter, Der Tod im Alten Testament.Stuttgart 1967; A. Recheis, Engel, Tod und Seelenreise. Das Wirken des Geistes beimHeimgang des Menschen in der Lehre der alexandrinischen und kappadokischen Väter.Roma 1958; E. Dubruck, The theme of death in French poetry of the middle ages and ofRenaissance. London 1964; J. O. Smith, The Islamic Understanding of death and resur-rection. Albany 1981; P. v. Moos, Consolatio. Studien zur mittellateinischen Trostliteraturüber den Tod und zum Problem der christlichen Trauer. 4 vols. München 1971/72; A.Tenenti, Il senso de la morte e l'amore de la vità ne Rinascimento. Torino 1957; H. Rohlf,Der Tod in mittelhochdeutschen Dichtungen. München 1974; H.-Th. Johann, Trauer undTrost. Eine quellen- und strukturanalytische Untersuchung der philosophischen Trost-schriften über den Tod. München 1968( besonders über die Antike); J. E. Charon, Tod, woist dein Stachel? Wien/ Hamburg[ 1981].

6 Neben der volkskundlichen Brauchtumsliteratur Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumsliteratur vor allem neuere ethnologische Studien:O. Petterson, Jabmak and Sabmeaimo. A comparative study of the dead and the realm ofthe dead in Lappish region. Lund 1957; H. Abrahamsson, The origin of death. Studies inAfrican mythology. Uppsala 1951; K. Hentze, Tod, Auferstehung, Weltordnung. Dasmythische Bild im ältesten China, in den großasiatischen und zirkumpazifischen Kulturen.2 vols. Zürich 1955; J. L. Henderson, The Wisdom of the serpent. The mythos of death,rebirth and resurrection. New York 1963; F. Jachmann, Seelen- und Trostvorstellungen beidrei Bevölkerungsgruppen von Neuguinea. Wiesbaden 1969; E. de Martino, Morte e piantorituale nel mondo antico. Del lamento pagano al pianto di Maria.[ Torino] 1958; H. J.Snell, Der schlimme Tod bei den Völkern Indonesiens.' s- Gravenhage 1955; J. P. Roux, La

11