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Studien zum griechischen Volkslied
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Kapitel 10

,, KALANDA": RELIGIÖSE ANSINGELIEDERDES GRIECHISCHEN DODEKAHEMERONS

Die während der griechischen ,, Zwölften"( dodekahemeron) ¹ gesungenenreligiösen Ansingelieder² der Umzugsgruppen, die, verkleidet oder nicht,Burschen und Männer oder Kinder, von Haus zu Haus gehen, Symbolgegen-stände mit sich führen, fruchtbarkeitsmagische oder glückbringende Aktevollführen, kleine Szenen aufführen usw.³, sind ein treffendes Beispiel fürdie Problematik von Sakral- Pagan4, da sich idolatrische und christlicheElemente untrennbar miteinander verbinden. Dies gilt freilich für die gesam-ten Handlungs- und Normsysteme in den Tagen zwischen Weihnachten undTheophanie bzw. Epiphanies; diese Kontamination rührt wiederum aus denfrühchristlichen Jahrhunderten her, als die Frühkirche versuchte, den vitalenrömisch- hellenistischen Festkalender mit ihrem eigenen Heortologion zuüberlagern und aufzusaugen. So kommt es, daß alle drei großen Feste desWinterabschnitts, Weihnachten, Neujahr und Theophaniefest über einengemeinsamen Grundstock an Vorstellungen, Dämonenglauben, prophylak-tischen und apotropäischen Akten, Usancen, Ritualen und Zeremonien,Brauchhandlungen usw. verfügen, von dem sich das einzelne religiöse Festnur unbedeutend abhebt. Über Morphologie, Entstehungsthesen, Finalitätusw. ist schon vielfach gehandelt worden, so daß dies hier nicht wiederholtzu werden braucht. Die sprachliche Herleitung der ,, kalanda von den la-teinischen ,, calendae ist wohl kaum zu bezweifeln; der Ausdruck ist in

1 Die Zwölften sind, wie bei anderen europäischen Völkern auch, die Tage zwischenWeihnachten und der Epiphanie Christi und ein wichtiger Masken- und Brauchtermin. Vgl.K. Karapatakis, To dwбεкαnµεроν τwv Xpiστovуévv@ v. Athen 1971; D. S. Lukatos, ToΔωδεκαήμερο και οι τρεις γιορτές του στην Κεφαλλονιά. ΕπτανησιακόνΗμερολόγιον 1960; Κ. Α. Romaios, Έθιμα Καππαδοκίας στο Δωδεκαήμερο. Mélangesofferts à O.& E. Merlier, vol. 2, Athènes 1956, S. 305-310 u.a.

2 H. Siuts, Die Ansingelieder zu den Kalenderfesten. Göttingen 1968 mit weiterer Literatur.3 Das griechische Brauchmaterial aufgearbeitet bei W. Puchner, Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumserscheinungenim griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater. Theaterwissenschaft-lich- volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan- mediterranen Volkskultur. Wien1977( Veröffentlichungen des Österreichischen Museums für Volkskunde, 18) S. 58- 108.4 Dazu mit anderen Materialien auch W. Puchner, Studien zum Kulturkontext der liturgischenSzene. Lazarus und Judas als religiöse Volksfiguren in Bild und Brauch, Lied und LegendeSüdosteuropas. 2 Bde. Wien 1991( Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse, Denkschriften 216) S. 122f.

5 Übersichtsweise Darstellung auch bei G. A. Megas, Eλληуɩкαí ɛоρταí кαι éчα λαÏкλaτpɛíaç. Athen 1956( Nachdruck 1979) S. 37- 83 und ders., Greek Calendar Customs.Athens 1958( 3. Aufl. 1982) S. 27-52.

6 Vgl. Puchner, Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumserscheinungen, op. cit., S. 108- 145( mit Literatur).

7 D. Kalligeropulos, Ta Káλavda óλng Ellάdoç. Athen 1923, S. 11; J. D. Kapsalis,Aαoуpapiкá tηs Maкɛdovíaç. Laographia 6( 1917/18) S. 452-537, bes. S. 468ff.; Ph.Kukules, Bučavτivóv ẞíoç кαι лоλiτσμóç. 6 Bde. Athen 1948-1955, Bd. 2, S. 13ff.;Karapatakis, op. cit., S. 31ff. usw.

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