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Studien zum griechischen Volkslied
Entstehung
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Kapitel 6

REGENLITANEI UND BITTPROZESSION IMGRIECHISCHEN UMZUGSBRAUCH UND IHREBALKANISCHEN QUERVERBINDUNGEN

Unter den in der Volkskultur vieler europäischer Bereiche üblichen Regen-zauberriten, die auf ,, magischen" Analogiehandlungen beruhen und densommerlichen oder herbstlichen Erntesegen sicherstellen sollen', sowie un-ter den ekklesiastisch sanktionierten Flurprozessionen an den Kreuztagenvor Christi Himmelfahrt zur Abwendung von Hagel- und Unwetterschäden²,hebt sich in seiner Uniformität und Idiotypik, sowohl was Morphologie alsauch Funktionalität anbetrifft, der Umzug des Regenmädchens in Griechen-land und weiten Teilen des orthodoxen Balkanraums, meist dodola oderperperuna genannt, von den übrigen Erscheinungsformen deutlich ab³. Dieheute, bzw. bis vor kurzem greifbaren Brauchschichten weisen auch Spurenekklesiastischer Übung auf, die eventuell in Zusammenhang mit den west-kirchlichen rogationes zu sehen sind, so daß die von älterer Forschungpostulierte pagane Herkunft einem dynamischeren Evolutionsbild Platzmachen muß, das Formen einer Säkularisierung( ,, Repaganisierung) eineschristlichen Sakralritus nicht von vornherein ausschließt.

1 W. Mannhardt, Wald- und Feldkulte. 2 Bde. Berlin 1905( Darmstadt 1962), Bd. 1, S. 328f.,483f., pass.; J. G. Frazer, The golden bough. Vol. I.( London 1911) S. 248; HDA VII,S. 577ff.; G. Gesemann, Regenzauber in Deutschland. Diss. Braunschweig 1913; F.Andrian, Über Wetterzauberei. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien24( 1894) S. 84.

2 B. Scholz, The Sacramentals in Agriculture. Orate Fratres. A Liturgical Review 5( 1931)S. 323ff.; A. Franz, Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter. 2 Bde. Freiburg 1909,Bd. II, S. 71.

3 Zur Forschungsübersicht siehe in der Folge.

4 Zu Entstehung, Ausbreitung und Evolution der frühchristlichen Pönitentialprozessionenbis hin zu den Hagel- und Gewittermessen der Kreuztage siehe: HDA I, Sp. 1348ff.;Lexikon für Theologie und Kirche VII, S. 909ff.; Du Cange VII, S. 347ff.; Patr. lat. 59, Sp.289ff.; und ferner: F. Weiser, Handbook of Christian feasts and customs. The Year of theLord in Liturgy and Folklore. New York 1958, S. 38ff.; J. A. Jungmann, Beiträge zurGeschichte der Gebetsliturgie VII. Beiträge fur katholische Theologie 73( 1951) S. 347ff.,sowie die Standardliteratur der älteren regionalen Brauchforschung. Zu den Möglichkeiteneiner Einflußnahme dieser Prozessionsformen auf die Mittwinter- und Fastnachtsumzügeder Rogatsien in den Südbalkanzonen vgl. W. Puchner, Die ,, Rogatsiengesellschaften".Theriomorphe Maskierung und adoleszenter Umzugsbrauch in den Kontinentalzonen desSüdbalkanraums. Südost- Forschungen 36( 1977) S. 109-158, bes. S. 150ff. Näheres dazubei den Ausführungen zur Morphologie.

5 Deutlich ausgesprochen bei Vakarelski im Zusammenhang mit dem ,, Kreuztragen"( Chr.Vakarelski, Bulgarische Volkskunde. Berlin 1969, S. 331). Zu den Möglichkeiten derÜbertragung von sakralen Ritualformen in die Volkskultur vgl. W. Puchner, Studien zumKulturkontext der liturgischen Szene. Lazarus und Judas als religiöse Volksfiguren in Bildund Brauch, Lied und Legende Südosteuropas. Wien 1991( Denkschriften der Österr.Akademie der Wissenschaften, phil.- hist. Klasse 216) S. 116ff., 122ff. und pass.

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