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Tourismus und Regionalkultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1992 in Salzburg
Entstehung
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Vera Mayer

neuen Wohn- und Wirtschaftsbedürfnissen ohne große bauliche Eingrif-fe anzupassen. So ist etwa das wegen der Türkenfigur bekannte Haus inPurbach, Schulgasse 9, ein schönes Beispiel eines typischen Weinhauer-hauses mit einem zweigeschossigen Wohntrakt, wobei der Kern aus dem16. Jahrhundert und die Hofarkaden aus dem 17. Jahrhundert stammen.Die qualitätsvolle Bausubstanz und die Tatsache, daß der Besitz nicht zer-splittert wurde, ermöglichten es, das frühere landwirtschaftliche Anwesenohne störende bauliche Veränderungen in ein Heurigenlokal umzuwandeln.Der für das nördliche Burgenland typische erdgeschossige Streckhof schienhingegen früher weniger für eine Umfunktionierung dieser einfachen Bau-struktur in eine moderne Wohn- und Wirtschaftseinheit geeignet zu sein.Die Bemühungen der Architekten beschränkten sich meist auf Entwürfeohne Vorbildwirkung. Erst in den 80er Jahren, infolge veränderter Bau-gesinnung und auch der Einführung moderner Baustoffe und-techniken( etwa bei der Isolierung, Trockenlegung usw.) sieht man immer mehr auchvon den Einheimischen renovierte Häuser; es handelt sich hier aber zu-meist um Wohnstätten.

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In den 60er und 70er Jahren gab es nur wenige Bauern, die sich die ho-hen Kosten für die Revitalisierung eines Gehöftes leisten konnten. Dennvom wirtschaftlichen Aspekt her gesehen können sich die Renovierungs-kosten bei der Auslastung eines solchen Urlaubsdomiziles durch indivi-duelle Urlauber nur in der Sommersaison- nicht so schnell amortisierenund Gewinn bringen. Seitens der Wohnbauförderung wurde der Neubaubevorzugt. 25 Sowohl für die Privaten als auch für die Großunternehmerwar es günstiger, neue Hotels und Pensionen mit billigen Materialien zubauen, statt die alten Bauernhäuser aufwendig zu renovieren.

Im Burgenland der 60er und 70er Jahre war es meist nur eine kleineGruppe von Künstlern, Architekten und Intellektuellen, die sich um ei-ne stilgerechte Sanierung eines Bauernhofes bemühten. Inzwischen stiegbereits der Anteil an den als Zweitwohnsitz benützten, alten, nicht mehrbewirtschafteten Gehöften vor allem im mittleren und südlichen Landes-teil. Man verspricht sich von dieser Entwicklung vor allem im südlichenBurgenland eine gewisse Wiederbelebung der von den Einheimischen ver-lassenen Ortschaften. 26

25 Zur Wohnbauförderung siehe Mayer( wie Anm. 21), S. 139–142.

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Zu der Problematik der Zweitwohnungen im Burgenland siehe: Georg Schreiber:Feriensiedlungen und Zweitwohnungen im Burgenland( Grundsatzreferat). In: HansSchulz, Peter Wald: Zweitwohnungen. Fachseminar der Planungsgemeinschaft Ost.