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Reinhard Johler
bewundert einerseits. Andererseits brachte die Vermieter- Situation, ne-ben dem eingenommenen Geld und Momenten schier unglaublicher An-passung, auch Motive von Verachtung zum Vorschein. Aus dem„, liebenHausgast" konnte unvermittelt, vor allem aber hinter dessen Rücken, der,, unsympathische Piefke" werden. Eingelagert in diese durch den Touris-mus unterschiedlich verteilten Rollen von Gast und Gastgeber, verbirgtsich, zumindest auf österreichischer Seite, ein kulturelles, ein nationalesMinderwertigkeitsgefühl, ³ das bis in die Gegenwart immer wieder Aktua-lität beansprucht: Man denke beispielhaft an die„ Piefke- Saga" von FelixMitterer oder an einen Artikel von Peter Turrini im„ Spiegel" 1986 unterdem Titel„ Die touristische Bananenrepublik". Das Kurz- Resümee, vonTurrini wortgewaltig und vielleicht auch treffend formuliert, lautet:„ DieGeschichte des österreichischen Tourismus[...] ist die Geschichte einerHurerei". Derartige Kritikpunkte im Zusammenhang von Fremdenverkehrund heimischer Angepaẞtheit haben durchaus eine lange Tradition. Schon1905 war davon die Rede, daß aus Tirol eine„, Bedienten- Nation für Frem-de" und damit ein ,, Volk von Knechten und Kriechern" werden könne.6
Damit ist ein erstes zu behandelndes Thema bereits angesprochen. Esfragt nach Identität bzw. nach durch den Tourismus verstärkten Feindbil-dern entlang nationaler Trennlinien; 8 Stichwort erneut: deutsch- österrei-chischer Kulturkontakt.⁹
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Tourismus ist ein Dauerthema der österreichischen Nachkriegsliteratur, der sog.,, Anti- Heimat- Literatur", vgl. in bezug auf die österreichische Identität: RobertMenasse: Das Land ohne Eigenschaften. Essay zum österreichischen Geist. Wien1992, S. 94ff.
Felix Mitterer: Die Piefke- Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung. Drehbuch.Innsbruck 1991.
In: Der Spiegel, 10. 11. 1986.
6 Watin: Ist unser heimischer Dialekt vogelfrei?( Ein Mahnruf an die echten Tiroler.)In: Der Sammler. Beilage der„ Neuen Tiroler Stimmen", Nr. 3, 1905, S. 29-31.
7 Vgl. dazu den Bericht von Heide Gottas: Sind Feinde nicht auch Menschen? In: ibfspektrum, Nr. 535, 15. 12. 1987.
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Um nur ein Beispiel dafür zu geben, siehe Diego Leoni:„ Italiani, visitate il Trentino".Beiträge zu einer Geschichte des„ politischen Tourismus" von 1872 bis 1915. In:Distel, Nr. 42/43, 1990, S. 66-72.
Vgl. die autobiographischen Schilderungen von Erich Kästner über Mayrhofen: No-tabene 45. Ein Tagebuch. Wien 1961, S. 72:„ Daß uns der Großteil der Einheimischennicht eben gewogen ist, läßt sich mit Händen greifen, und die Aversion läßt sich ver-stehen. Wer vom Fremdenverkehr lebt, kann die Fremden nicht leiden, damit fängt