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Lidija Nikočević
welche seitens des Hauswirtes gezeigt wird. In diesem Sinne gab es ge-genseitige Lästerungen. Es passiert aber auch oft, daß Gäste, welche imgleichen Haus absteigen, mit den anderen Gästen Freundschaft schließen,gemeinsam zum Strand gehen, über ihre Hauswirte erzählen, die Preisekommentieren usw. Bekannt sind auch tiefere Freundschaften und sogarmanche Ehen. Bei einigen Vermietern, welche große Terrassen und weit-räumige Gärten haben, passierte es, daß sich dort eigene Gäste zusammenmit den Gästen anderer Vermieter versammelten. Besondere Anlässe wa-ren Geburtstagsfeiern( Abb. 5) oder andere Jahrestage. Zu diesen Anläs-sen pflegten die Hauswirte entweder den Tisch zu decken oder irgendeinGeschenk zu überreichen und selbstverständlich der Feier beizuwohnen.Gäste, besonders Stammgäste oder„ Einheimische" wie sie von denEinwohnern von Draga genannt werden sind auf ihre Bekanntschaftenund Freundschaften mit den Hauswirten stolz. Indessen, die Hauswirte er-leben sie nicht selten als schwierige Gäste, welche sich überall einmischenund alles wissen wollen. Die Geduld der Hauswirte fällt im Ganzen gegenSommerende etwas ab. Da kann es passieren, daß einige Regentage nach-einander folgen, sodaß die Gäste hauptsächlich in den Häusern weilen underneut das Zusammensein mit den Hauswirten suchen. Im August kom-men in größerem Ausmaß Italiener, welche laut Meinung der Einwohnervon Draga durchschnittlich besonders anspruchsvoll und schwierig sind.Das Maß der Erträglichkeit drückte ein Einwohner von Draga aus, alser sagte, daß es ihm leichter ist, zehn Gäste aus Deutschland als zweiitalienische Gäste zu bewirten. Im Ganzen erlebt man sie als allzu neu-gierige, ständig nach Gesprächen suchende Gäste, oftmals mit besonderenWünschen.
Die Kommunikation zwischen den Gästen und Hauswirten fand nichtnur in den Sommermonaten statt. Sie setzte sich durch Briefe und Tele-fonanrufe das ganze Jahr fort. Nach der Rückkehr in ihre Heimatländerschickten die Gäste Fotoaufnahmen vom Urlaub, besonders jene, auf wel-chen die Hauswirte zu sehen sind. Weihnachts- und Ostergrüße wurdenebenfalls ausgetauscht, seltener Briefe. Nicht selten sind auch Telefonan-rufe. Dabei ist das schriftliche und mündliche Melden aus dem Auslandnach Draga häufiger als umgekehrt. Die Einwohner von Draga schreiben,senden Fotografien und telefonieren seltener ins Ausland, vor allem dadie Zahl der Menschen, welche man durch das Vermieten kennengelernthat, groß ist, aber auch wegen der schlechten Ausdrucksmöglichkeit in derfremden Sprache usw. Die Gäste melden sich auch von Ausflügen, Reisen,geben Todesfälle, Hochzeiten und Geburten in ihren Familien bekannt.