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Tourismus und Regionalkultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1992 in Salzburg
Entstehung
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Zimmer frei"- Das Leben mit und ohne Touristen

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eine solche Interpretation ist offensichtlich, daß viele deutsche und öster-reichische Familien Gelegenheit hatten, einen schnellen und plötzlichenwirtschaftlichen Aufschwung einiger Familien von Draga zu verfolgen.

Ohne Rücksicht auf den realen Bedarf ist das Schenken bei der Anreiseder Ausländer, welche schon einige Male im gleichen Haus gewohnt haben,eine unumgängliche Kommunikationsart. Anfang der sechziger Jahre wur-den jene Artikel geschenkt, welche am einheimischen Markt nicht vorhan-den waren, später waren es verschiedenste Geschenke. Darunter befandensich oft Kaffee, Delikatessen und Bekleidung, nicht selten schon getragene.,, Ich kaufe nichts, alles bekomme ich von den Ausländern", sagte eine Ein-wohnerin von Draga. Die Ausländer brachten auch Kataloge der großenWarenhäuser mit, sodaß die Einwohnerinnen von Draga Gelegenheit hat-ten, die gewünschten Waren zu bestellen. Die Häuser der Vermieter sindoft durch charakteristischen Wandschmuck fremden Ursprungs gekenn-zeichnet sowie durch Filterkaffeemaschinen, welche übrigens in dieser Ge-gend selten benutzt werden. Vor allem die Vermieterinnen liebten es, denanderen Frauen die mitgebrachten Geschenke zu zeigen.

Zitate wie Mit den Gästen muß man schön, geduldig umgehen" oder,, Mit ihnen muß man viel reden- man verliert dabei viel Zeit, aber ih-nen bedeutet das viel", weisen auf die Tatsache hin, daß die Vermieter vonDraga innigst zu dieser Kontaktart, welche von John Urry emotional workgenannt wurde, beitragen mußten. Dies bezieht sich auf das Sprechen mitden Gästen, das Verbringen von gemeinsamen Abenden vor dem Haus, diegemeinsamen Ausflüge. Stammgäste hatten die Gewohnheit, ihre Haus-wirte manchmal zum Abendessen einzuladen, diese bereiteten manchmalFisch- und Fleischgerichte im Haus vor. Einige Stammgäste wünschtensich sehr, mit dem Hauswirt oft in Gesellschaft zu sein( Abb. 4). Es gabauch Fälle, daß sie den Wunsch geäußert hatten, daß der Hauswirt selbstUrlaub während ihres Aufenthaltes machen sollte, um zusammen so vielZeit wie möglich zu verbringen. Sie verstehen nicht, daß dies für uns Ar-beit ist: Sie kümmern sich nicht um unsere Probleme, sie bezahlen...Übrigens gehen die Hauswirte fast nie mit den Gästen gemeinsam baden.In erster Linie haben sie selten dazu Zeit, wenn dies dennoch geschieht,möchten sie doch mit ihrer eigenen Familie allein sein. Im großen undganzen denken alle Hauswirte, daß sie gegenüber allen ihren Hausgästenähnliche Beziehungen haben sollten. Wenn sie zum Beispiel den beson-ders lieben Gästen einen Kuchen backen, dann bieten sie diesen auchanderen Gästen an. Es passierte nämlich nicht selten, daß zwischen denGästen Eifersucht aufkam hinsichtlich der Menge der Aufmerksamkeit,

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