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Tourismus und Regionalkultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1992 in Salzburg
Entstehung
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Lidija Nikočević

Heute noch erinnern sich viele an das mühevolle Umsiedeln der Sachenaus den Schränken, das Schlafen auf Matratzen auf dem überhitzten Dach-boden, die Peinlichkeit, einen Arzt zu dem Kranken zu rufen, welcherin solchen Umständen krank geworden war. Damals hatten viele Häusernoch nicht einmal fließendes Wasser. Das Geld, das auf diese Weise ver-dient wurde, sparte man meistens für die Adaptierung oder den Anbauvon neuen Mietzimmern, sodaß in den meisten Fällen die Familien baldaufhörten, ihre eigenen Schlafzimmer zu vermieten. Einige haben dagegenganz neue Häuser gebaut( Abb. 2), welche nach ihren baulichen Charak-teristiken an die Zimmervermietung angepaẞt sind. Da nach dem neustenStandard Appartements mit Bad favorisiert werden, haben manche Häu-ser sogar mehrere Adaptierungen und Umbauten erfahren( Abb. 3). SolcheErscheinungen waren Standardmaßstäbe einiger Familien.

In diesem Jahrhundert gab es fast keine Abneigung gegen ausländischeGäste. Im gewissen Sinne entwickelte sich Draga in diesem Jahrhundertdank dem Tourismus, und die Anwesenheit der Touristen verstand mandie ganze Zeit als eine Verdienstmöglichkeit. Im großen und ganzen dach-te man nicht darüber nach, ob Touristen stören oder nicht- in diesemJahrhundert sind sie einfach Teil des Lebens von Mošćenička Draga. ZumFehlen der Abneigung gegenüber den Ausländern trug auch die Tatsachebei, daß Draga in diesem Jahrhundert unter vier Staaten gelebt hat, indieser Zeit wurde zwischen drei Amtssprachen gewechselt. In den sechzi-ger Jahren riet aber dennoch so manche Großmutter ihrer Enkelin, allzutiefe Gespräche mit den Ausländern zu vermeiden. Schließlich kommendiese und gehen wieder.

Der Lebensstandard der Einwohner von Draga, welche vermieten, stiegin den letzten drei Jahrzehnten in großem Maße und unterscheidet sichziemlich von dem der Einwohner der benachbarten Ortschaften, in wel-chen man sich nicht mit dem Tourismus beschäftigt. Heute haben diemeisten große, reich ausgestattete Häuser und verfügen über ein gestie-genes Selbstbewußtsein.² Wenn man sie über die ausländischen Gäste,die zu ihnen kamen, ausfragt, dann sagen die meisten, daß es sich dabeihauptsächlich um die Angehörigen der Arbeiterklasse handelt und daßfrüher ,, bessere" Gäste kamen. Ihr Selbstbewußtseinsniveau stieg ziem-lich in den letzten drei Jahren. Unsere Hauswirte denken, daß langjährigeGäste manchmal sogar eifersüchtig sind, wenn sie jedes Jahr etwas Neuesim Haus sehen, in welchem sie jahrelang abstiegen. Ohne Rücksicht auf

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Jeremy Boissevain beschrieb ähnliche Phänomene auf der Insel Malta( 1989).