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Tourismus und Regionalkultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1992 in Salzburg
Entstehung
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Zimmer frei"- Das Leben mit und ohne Touristen

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meistens der Zutritt zur Küche und zu anderen Privaträumen verwehrtwird und daß man sie selten mit Getränken und Speisen, welche manselbst zubereitet hat, bewirtet.

Am zahlreichsten sind aber jene Vermieter, welche mit diesem zusätz-lichen Familienverdienst in den sechziger und siebziger Jahren begonnenhaben. Es handelt sich dabei um eine heterogene Gruppe, aber da ichüber sie am meisten sprechen werde, möchte ich an dieser Stelle nur be-tonen, daß es sich, obwohl sie selbst keine Erfahrung mit der Vermietunghatten, dennoch um Ortseinwohner handelt, welche an die Anwesenheitder ausländischen Besucher jahrzehntelang gewöhnt waren.

Die dritte Gruppe bilden die jungen Angehörigen der Vermieterfamiliender ersten Generation, welche die vielseitige Beziehung zu den Touristengenießen, weil sie nicht durch die kommerziellen Aspekte dieser Kommu-nikation belastet sind. Sie befinden sich dennoch im direkten Kontaktmit den Gästen. Diese Kategorie erfaßt auch die sexuellen Kontakte derjungen Männer aus Draga mit den Ausländerinnen.

In neuester Zeit beschäftigten sich mit der Vermietung hauptsächlichFrauen, welche nicht berufstätig sind. Ihre Ehemänner gehen regelmäßigeinem Beruf nach, sodaß durch die Vermietung eine zusätzliche Verdienst-quelle, größer als die des Mannes, geschaffen wurde. Auch weibliche Kinderwurden für die Gäste beschäftigt, vor allem da man der Meinung war, daẞein Haus, in dem Zimmer vermietet werden, nie ohne ein Haushaltsmit-glied bleiben sollte. Das ist eine Arbeit wie jede andere"- betonen auchheute noch die Vermieter, ohne Unterschied, wie lange sie schon vermie-ten. Die Männer werden bei größeren Besorgungen engagiert und werdenbei den Gesellschaftskontakten mit den Gästen nachmittags und abendsbeschäftigt.

Die meisten Vermieter sprechen italienisch. Viele besuchten vor demKrieg italienische Schulen, und sie lehrten auch ihre Kinder diese Sprache.Die deutsche Sprache wird wesentlich mühevoller bewältigt. Jene Vermie-ter, welche am längsten vermieten und darin die größte Erfahrung haben,haben oft etwas Deutsch durch das Spielen mit den Touristenkindern nochvor ca. 50 Jahren gelernt. Die anderen haben das Grundvokabular jahre-lang zu bewältigen versucht, oft mit Hilfe beschrifteter Zettel( Abb. 1), inneuester Zeit benutzen jüngere Vermieter auch Wörterbücher.

Jene Vermieter, welche vor 30 Jahren begonnen haben, ihren eigenenWohnraum in ihren alten Häusern zu vermieten, haben ein oder zweiRäume vermietet- meistens ihre eigenen Schlafräume. Die ganze Familiedrängte sich auf dem Dachboden oder in einem Kellerraum zusammen.