„ Die Gäste fühlen sich wohl bei uns"
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der eigenen Gastgeberrolle dokumentiert. Es kommt zur Durchdringungder wirtschaftlichen und der persönlichen Komponente der Beziehung.Nicht nur für den Gast hat die Beziehung über den Vertrag„ Zimmer mitFrühstück" hinaus Bedeutung, sondern auch für die Vermieter. Für dieFrauen, die, wie schon erwähnt, meist für die Betreuung der Touristenverantwortlich zeichnen, kann es die Wertschätzung ihrer Arbeit durchdie Gäste sein. Das Lob der Sauberkeit und Ordnung stellt dabei einwichtiges Kriterium dar. Tätigkeiten, die in den Bereich der traditionel-len Hausarbeit fallen, wie Aufräumen, Kochen oder Putzen, und meistnur im Falle ihres Ausbleibens wahrgenommen werden, erfahren durchdie Vermietung eine neue Beachtung und kaum erlebte Anerkennung. DieAufgabe der Männer ist zumeist das Entertainment und die Animationund entspricht der klassischen Gastgeberschaft, da sie eben„ beyond com-mercialism" ausgeführt wird. Bis auf wenige Ausnahmen beteiligen sichdie Ehegatten der Vermieterinnen nämlich nicht an den bezahlten Hand-lungen, sondern übernehmen gerade die freiwilligen Tätigkeiten, zu denensie sich entsprechend ihrer Funktion als Gastgeber verpflichtet sehen, eineRolle, in der sie sich aber auch meist sehr wohl fühlen.
Das Statement„ Die Gäste fühlen sich wohl bei uns" ist gleichzeitig aucheine wohlweisliche Rechtfertigung für die Einfachheit, trotz der die Leutegerne kommen.„ Die Gäste halten auf Gemütlichkeit mehr als auf Kom-fort", entspricht dieser Betonung der individuellen Gastfreundschaft. Undhier möchte ich diesen Terminus Gastfreundschaft bewußt verwenden, dadie Begegnung an dieser Stelle über die kaufmännische Beziehung hinaus-geht. Eine sinngemäße Zusammenfassung der diesbezüglichen Statementsaus den Gesprächen lautet: Die Gäste fühlen sich wohl bei uns und das istmein spezifisches Verdienst. Sie könnten sich auch mehr leisten, aber sieschätzen mein Haus, das ich nach meinem Geschmack eingerichtet habe,und sie schätzen meine Einladungen zum Nachmittagskaffee, die Bergtou-ren am Wochenende und andere Zeichen meiner Gastfreundschaft.
Bei der Privatvermietung haben sich ebenso wie beim Urlaub am Bau-ernhof, die beide einen hohen Stammgästeanteil haben, eigene Verhaltens-muster, ja fast möchte ich von ritualisierten Handlungen sprechen, her-ausgebildet wie die Begrüßung der Gäste mit Getränk und stereotypenFragen, die Grußkarte zum Geburtstag, das morgendliche Gespräch beimFrühstück oder die Kostprobe aus der eigenen Küche. Über den finanzi-ellen Aspekt hinaus wird die Zufriedenheit der Gäste zum persönlichenVerdienst und führt zur Steigerung der eigenen Identität und des Selbst-wertgefühls. Die meisten Gäste und besonders die Stammgäste schätzen