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Regina Bendix
Überlebenswoche fern der Zivilisation. Der Tourismus hat sich im Laufder letzten zweihundert Jahre als eine Sparte des Marktes herausgebildet,der echtes Erleben zu ermöglichen sucht und verdinglichte Symbole dieserEchtheit, wie auch immer der einzelne sie definiert, in Form von Souvenirsbereit hält. Das Spannungsfeld zwischen Echtheit, Wahrheit und sakralerNähe zu Gott oder säkularer Selbstfindung enthält Fragestellungen, diefür die Standortbestimmung einer gegenwärtigen Volkskunde mehr alslohnend sind. Die Kulturwissenschaften, so postuliert diese Arbeit, sindsowohl in die zivilisatorische Objektivierung der Authentizität wie auchderen touristische Auslegung engstens verstrickt. Der Versuch, der Au-thentizitätsproblematik auf die Spur zu kommen, erlaubt der Volkskundeund verwandten Disziplinen, die Selbstreflexion, die mit der Folkloris-musdebatte sowie der Aufarbeitung der Nationalsozialistischen Volkskun-de einsetzte, weiterzuentwickeln. Die Erkundung touristischer Authenti-zitätssuche gewährt hierzu einen möglichen Einstieg.
„ Der Begriff, Tourist' wird zunehmend als spöttische oder verächtlicheBezeichnung für Leute gebraucht, die mit ihren offensichtlich inauthenti-schen Erfahrungen zufrieden sind", schreibt der amerikanische SoziologeDean MacCannell( 1976: 94). Spricht man über die eigenen Unternehmun-gen weg von zu Hause, gebraucht man lieber Wörter wie, Ferien' oder, Reisen', wobei letzteres dann auch noch gleich nach Bildung und Selbst-verbesserung klingt, unternahmen doch bereits unzählige Persönlichkeitenvergangener Jahrhunderte von Herodot bis Goethe Reisen, die zu ihremliterarischen Ruhm noch beitrugen. 10 Daß dann der, Reisende' in seinemBestreben, wahre Kultur zu finden und zu erleben, der Gastkultur mehrIdeen des aus der Sicht des nostalgischen Authentizitätssuchers uner-wünschten Wandels zuführt als der verpönte Massentourist, gehört zu
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Auf eine ausführliche Begriffsdifferenzierung der Termini Tourismus, Bildungsrei-se, Fremdenverkehr etc. wird hier verzichtet; der wissenschaftliche Sprachgebrauchwird in Crick( 1989) und Cohen( 1984) sowie Kapeller( 1991) dargestellt. Touris-mus wird hier als allumfassender Begriff gebraucht, der historische Vorformen sowieauch die unterschiedlichen Perspektiven von Gast und Gastgeber( Smith 1989) insich einschließt.
Im Englischen ist der bevorzugte Begriff„ travel", der mit seiner etymologischenVerwandtschaft zum französischen„ travail", also Arbeit, auch gleich die Verbindungzu Arbeit erstellt, und statt der Frivolität des touristischen Nichtstuns das Bild desunter Strapazen sich selbst verbessernden Reisenden hervorbringt( vgl. Boorstin1972: 91-109). Zur Entwicklung des Reisens siehe z. B. Berwing( 1984) oder, auskulturpessimistischer Sicht, Enzensberger( 1965[ 1958]).