Druckschrift 
Europäische Volksliteratur : Festschrift für Felix Karlinger
Entstehung
Seite
171
Einzelbild herunterladen
 

Analyse einer portugiesischen Volkserzählung:,, João Soldado que Meteu o Diabo no Saco"

Von Arnaldo Saraiva

oder

" João Soldado que Meteu o Diabo no Saco"( João Soldado"Hans der Soldat, der den Teufel in seinen Sack steckte") ist eine alteportugiesische Volkserzählung, die jahrhundertelang mündlich über-liefert wurde, und die heute von Zeit zu Zeit von einem Verlegerpopulärer Literatur in Porto( Rosa Celeste de Castro Fernandes) undeinem anderen in Lissabon( Livraria Barateira) in Auflagen vonTausenden Exemplaren herausgegeben wird. Es handelt sich dabei um ei-ne Ausgabe in kleinem, für die Kolportageliteratur typischen Format, diehäufig auf Märkten und auf der Straße zu sehr niedrigen Preisen( 2.50$) verkauft wird und für das vom Verleger als interessantesBuch, das die Geschichte eines Soldaten erzählt, dem es dank seinerSchlauheit und Geschicklichkeit gelang, den Teufel in seinen Sack zustecken" geworben wird.

Der Text ist, so wie er heute publiziert wird, voller Archaismen, aberes ist schwierig, ihn zeitlich einzuordnen; dennoch kann man die Be-hauptung aufstellen, daß die Originalfassung, die wohl im Laufe derJahrhunderte kleine Veränderungen erfahren hat, wenigstens aus dem17. Jahrhundert stammt.

Der Inhalt der Erzählung ist folgender:

João Soldado, der dem König 24 Jahre lang gedient hat, wird entlassen,weil er alt und unbrauchbar geworden ist. Als er fortgeht, gibt man ihm nurvier Heller und ein Brot. Auf seinem Weg trifft er Christus und den hl.Petrus, die ihn um Almosen bitten. João Soldado teilt mit ihnen sein Brot( jeder bekommt ein Drittel davon). Er trifft sie ein zweites Mal, der hl.Petrus bittet ihn wieder um Almosen, und João Soldado teilt mit ihnen dasDrittel seines Brotes, das er nicht gegessen hatte. Aber diesmal iẞt er sofortdas Drittel vom Drittel seines Brotes, denn er fürchtet, daß ihn wieder je-mand darum bittet, es mit ihm zu teilen. Und wirklich, Christus und derhl. Petrus kreuzen wieder seinen Weg; der hl. Petrus bittet ihn um Almosenund João Soldado teilt seine Heller mit ihnen. Danach weiß er nicht, waser mit dem ihm verbliebenen Geld machen soll. Er denkt, daß er sich seinBrot verdienen muß. Aber der hl. Petrus bittet Christus, etwas für João

171