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Europäische Volksliteratur : Festschrift für Felix Karlinger
Entstehung
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für die Ostslawen in Handschriften wandernd bedeutungsvoll 7, sinddiese ,, Volksbücher" als Parallelen zu Bildern und kirchlich zusammen-gestellten und verbreiteten Legendensammlungen die Bewahrenden. Sol-cherart einmal geprägt, bestimmen sie immer wieder tiefgreifend auchdie gegenwärtige, die lebendige mündliche Überlieferung". Das lieẞsich mehr als einmal an ganzen Moivkomplexen erweisen. So z. B. ausdem Erbe der Apokryphen wie im, Marientraum" 8 oder aus dem Er-zählumkreise von typischen, ursprünglich byzantinischen Bildkompo-sitionen aus dem Ring von Einzel- ,, Erzählungen zu den Gestalten umdas Zentralmotiv der legendenentsprungenen Kultidee von Maria alsdem Quell des Lebens, der Пlavaria auf dem überfließenden Brunnen,der Ζωοδόχος Πηγή 9.

So kann es denn auch gar nicht wundernehmen, daß sich bei überhauptvorhandener Erzählerfreude und Zuhörerlust der in Südosteuropa bisüber die Mitte unseres Jahrhunderts herauf noch nicht durch die Mas-senmedien ,, literarisch Übersättigten" die Bereitschaft verstärkte, vor-gegebene, stets gegenwärtige" Bildinhalte erzählerisch umzusetzen, siesozusagen ausblühen zu lassen in vielerlei Aufschwellungen, Überhöhun-gen. Das hatte im Bereich der Legendenstoffe gerade auch in den klei-nen Volksbüchlein, von denen wir ausgegangen waren, zu mancherleiAusweitungen gegenüber den früher einmal, kirchlich formulierten"

buch", dessen bulgarischer Name narodna kniga dort verschiedene Erschei-nungsformen umgreift, indes er das kleine, weit flatternde Heftchen, wie siemir als φυλλάδιον λαϊκόν besonders im gegenwärtigen Griechenland so oftgerade auf religiösen Jahrmarktsfesten wie an den Klosterpforten zugänglichwaren, als die panaidžijska kniga(= Jahrmarksbuch) gesondert herausstellt.Petar Dinekov untersucht hier die russischen und die polnischen Volks-bücher dieses Typus und betont ihre Geltung in der bulgarischen Literatur,indem er das Problem der Koexistenz zwischen Folklore und Literatur in denMittelpunkt seiner Betrachtungen stellt. Zur Einwirkung der volkstümlichenErzählprosa auf die moderne bulgarische Belletristik vgl.:

P. Dinekov, Folklor i savremena bugarska beletristika.( Naučni sastanakslavista i Vukove dane 1976, Bd. II, 1977, 467-482.)

7 Sv. Radojčić, Jedna scena iz romana o Varlaamu i Joasafu u crkviBogorodice Leviške.( Starinar III- IV, Belgrad 1955, 77-81; russische Volks-bücher aus dem Serbischen wirken als Vermittler von Erzählstoffen zwischenWest und Ost; hier neben Barlaam und Josaphat bes. an mittelalterlichenThemen aufgezeigt.)

8 L. Kretzenbacher, Südost- Überlieferungen zum apokryphen TraumMariens". Bayerische Akademie der Wissenschaften, phil.- hist. Kl., SB Jg.1975, H. 1, München 1975.

9 L. Kretzenbacher, Lebenspendender Quell". Blindenheilung undProphetie der Kaiserwürde. Zum heutigen Legendenerzählen" der Neugrie-chen, der Südslawen und der Rumänen zwischen Bildgegenwart und Volksbuch.( Fabula 16, Berlin- New York 1975, 209-226, 3 Bildtafeln.)

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