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1 (1911) Österreichische Volkskunst : aus den Sammlungen des Museums für Österreichische Volkskunde in Wien. [1] / Illustrierter Textband
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zweige, dazwischen verstreute Vogelfigürchen, Schmetterlinge finden sich immer wieder.Die Ausführung ist roh und ungelenk, die Disposition der Ornamente über die Ei-fläche eine viel primitivere Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivere und weniger durchdachte, als bei den slowakischen Exem-plaren.

Auf Tafel 118 sind die ruthenischen( auch bojkischen und huzulischen), sowiedie rumänischen Ostereier abgebildet. Über ihre Ornamentik und Färbetechnik sindvon Wl. Szuchiewicz, Huculszszyzna, III, S. 229 ff., A. Kochanowski, sowie EliasWeslowski,»> Zeitschrift für österreichische Volkskunde V, S. 155 ff.; XI, S. 125 ff.sehr genaue Mitteilungen gemacht worden. Ihre Verzierung, welche ältere und jüngereFormen einschließt, ist in verschiedener Art über die Eifläche disponiert; doch sinddie Eipole seltener als bei der slowakischen Verzierungsweise selbständig behandelt.Die Einteilung in Zonen ist ebenfalls viel seltener; meist erstreckt sich das Muster infortlaufendem Rapport um die ganze Eioberfläche herum. Altertümliche Motive, diewir schon bei den ruthenischen Stickereien beobachteten, treten auch hier auf, sobei Nr. 2, 4, 6, 10. Figurales mischt sich mitunter ein, so der Pfau oder Hahn( Fig. 8),Fische( Fig. 9), Kreuze, besonders in der griechischen Form mit zwei oder dreiKreuzbalken, Kirchen( Fig. 5, 8), Pferdchen usw. Jünger sind auf den rumänischenExemplaren die Blumenmusterungen( Fig. 13-14). Sehr eigenartig ist die Band- undSpiralornamentik von Fig. 15, 17, 22, 23. Die einzelnen Musterungen haben ihre Namen.Wl. Szuchiewicz teilt a. a. O. S. 36 solche Benennungen mit, doch ist natürlich damitfür den Ursprung des betreffenden Ornamentes nicht das Mindeste gesagt. Bezüglichder Technik des Verfahrens, welche mit derjenigen bei den slowakischen Eiermalernidentisch ist, sei daran erinnert, daß die Kunst altertümlichen und primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Zeug-druckes unter den Ruthenen altbekannt und geübt ist, und daß somit hier dieselbeQuelle, welche oben für das slowakische Eierfärbverfahren wahrscheinlich gemachtwurde, angenommen werden kann.

Bei den Südslawen, den Slowenen und Weißkrainern ist das gefärbte und ver-zierte Osterei ebenfalls bekannt, ebenso bei den Dalmatinern. Während es bei denerstgenannten nach Art der alpenländischen Mode durch Kratztechnik oder Beschreibenmit ätzender Flüssigkeit ornamentiert erscheint, und zwar in ganz einfacher Weisemit linearen Ornamenten, Schraffierungen, Fichtennadelmotiven etc., wozu sekundärSpruchaufschriften treten, ist das dalmatinische ungefärbte Osterei altertümlicher durchAuftrag von schwarzen Wachszeichnungen verziert, deren primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver, stark stilisierterCharakter in die Augen springt.

Das uns bisher zu Gesicht gekommene Material aus der Umgebung von Spalatoist freilich zu geringfügig, um danach die Art des dalmatinischen Typus feststellenzu können. Es ist unbedingt notwendig, den Gegenstand auch über das gesamteBalkangebiet zu verfolgen, um über Alter und Kulturzugehörigkeit der dalmatinischenExemplare ein Urteil abgeben zu können.

4. Gedenkblätter und Papiermalereien aus den Alpenländern.

Auf Tafel 120 sind eine kleine Anzahl von Pergament- und Papiermalereienwiedergegeben, die zuletzt wieder den in allen vorausgegangenen Erörterungen fest-gehaltenen Begriff der Volkskunst aufs neue bestätigen. Von höheren Vorbildern ab-geleitete, der Schulung wohl entbehrende, aber dafür vom natürlichen Kindergeistdes Volkes inspirierte Arbeiten sind es, die als Proben für viele andere ihresgleichen

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